Speedy Ortiz Foil Deer / Review & Tourpräsentation

Girls in front! Sadie Dupuis gehört zu den Neuenergetikerinnen des Gitarrenrock-Genres. Am Freitag erscheint Foil Deer, das Album ihrer Band Speedy Ortiz. SPEX präsentiert das Quartett im Oktober live in Deutschland.

Trust the girls: Wer glaubt, Gitarrenrock sei tot, hat die aktuellen Platten von Sleater-Kinney, Ex Hex und Courtney Barnett nicht auf dem Schirm. Es scheint, als hätten vor allem Musikerinnen buchstäblich das nötige Fingerspitzengefühl, um das angestaubte, männlich konnotierte Genre mit frischer Energie und neuen Ideen aufzuladen. Auch Speedy Ortiz gehören zu den Neu-Energetikerinnen, deren musikalische Sozialisation unüberhörbar in den Neunzigerjahren liegt. Die Band besteht aus drei Männern und einer Frau, die den Ton angibt.

»I’m not bossy, I’m the boss / The shooter, not the shot«, singt Sadie Dupuis auf Speedy Ortiz’ Single »Raising The Skate« und spielt damit wohl kaum auf Sinéad O’Connors ziemlich untergegangenes Album von 2014 an, sondern auf Sheryl Sandbergs Ban-bossy-Kampagne, bei der auch Beyoncé mitmachte, um zu zeigen, dass es cool ist, der Boss zu sein, und dass man deswegen nicht gleich herrschsüchtig sein muss – was Chefinnen ja gern unterstellt wird. Unlängst beklagte Sadie Dupuis, Musikerinnen dürften kein Aufheben um ihr Talent machen, um nicht als bitchy zu gelten. Zum Glück ist geringes Selbstvertrauen nicht Dupuis’ Problem. Speedy Ortiz kommen aus Massachusetts, der Heimat legendärer Alternative-Acts wie Dinosaur Jr., Pixies, Galaxie 500 oder Mission Of Burma. Dupuis sieht sich und ihre Band allerdings weniger als Erben dieses Indie-Vermächtnisses, sondern vergleicht sich lieber mit zeitgenössischen Tour-Buddies wie Pile und Krill.

Speedy Ortiz’ neues Album verhält sich zum Vorgänger wie Pod von The Breeders (um doch einen Link zum »alten« Massachusetts zu legen) zu deren Hitplatte Last Splash: Major Arcana war schon toll, aber Foil Deer wirkt, als wäre irgendwo ein Schalter umgelegt worden. Das Album birst vor Selbstbewusstsein: Dupuis lässt ihre Gitarre janglen und verzerrt bratzen, liebliche Melodien werden von wilden, dissonanten Ausbrüchen überbügelt. Im Sound passiert total viel, worauf Speedy Ortiz sehr stolz sind: Endlich waren sie in einem richtig guten Studio und konnten instrumentale Details und Effekte hörbar machen, die bei Major Arcana in der One-take-Live-Atmosphäre verschwinden. Auch die Inszenierung kommt nicht zu kurz: Auf funky R’n’B-Elemente im zentralen Track »Puffer« folgt Moshpit-Punkrock (»Swell Content«), im post-grungy »Ginger« schickt die Band einen Gruß an die Breeders (»I’d like to have a cannonball to kill your time«), und »Dot X« feiert die Legende, dass Speedy Ortiz mit einem Fluch belegt seien: Allen, die mit der Band zu tun haben, passiert etwas – nichts allzu Schlimmes, aber Unangenehmes. »You’ll be cursed«, raunt Dupuis und klingt, als fände sie das sehr lustig.

SPEX präsentiert Speedy Ortiz live
05.10. Berlin – Comet
06.10. Hamburg – Volt
07.10. Köln – Blue Shell

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