Soulwax „Essential“ / Review

Die zwölf durchnummerierten Tracks auf Essential bieten vor allem eins: Funktionalen Electro mit Techno-Grundierung.

Die Existenz geht der Essenz voraus, lautete die Quintessenz des Denkens von Jean-Paul Sartre, dem Begründer des Existentialismus in Frankreich. Der ging im Grunde davon aus, dass der Mensch keinen inneren Wesenskern habe und dazu verurteilt sei, sich immer wieder neu zu erfinden.

Soulwax dürfte das bekannt vorkommen. Die belgischen Brüder Stephen und David Dewaele spielten Mitte der Neunziger noch alternativen Rock, verirrten sich dann in elektronische Gefilde und mischten irgendwann als 2 Many DJs sogar Destiny’s Child mit Nirvana. 2016 hat die Band dann für den Film Belgica Musik für 15 fiktive Bands geschrieben und eingespielt. Kann man sich selbst noch mehr fragmentieren? Unmöglich. Diese Tracks tangierten Postpunk, Hardcore, Soul und türkischsprachige Elektro-Folklore – inklusive eines Schusses Melancholie. Schließlich ging es im Film um den Untergang eines geliebten Clubs. Demselben abgerissenen Schuppen heulte auch From Deewee ein Jahr später noch hinterher.

Fast wie beim Safri Duo, nur halt in cool.

Auf Essential hingegen übernehmen Soulwax die Club-Geschäfte gleich selbst. Die zwölf durchnummerierte Tracks bieten nämlich vor allem eins: Funktionalen Electro mit Techno-Grundierung. „Essential Four“ etwa kommt mit gefühlt drei Drumkits und Support von der alten Clubbekanntschaft Charlotte Adigéry. Den synthetischen Sound von „Essential Six“ zieht es hingegen in Richtung Acid-House, den man so allenfalls in einem Boys-Noize-Set erwartet. Später werden noch ein paar Kuhglocken geläutet und Kochtöpfe abgeklopft, während peitschende Loops den nächsten Rave einfordern. Fast wie beim Safri Duo, nur halt in cool.

Was die Essenz von Soulwax ausmacht? Bleibt weiterhin offen. Alles auf Essential ist streng organisiert, von Innerlichkeit keine Spur. Im Intro verrät ein Roboter, dass er nur das ausspricht, was Soulwax ihm einprogrammiert haben. Dabei sollte Essential ursprünglich ein Mix bereits existierender Musik für die BBC werden, doch Soulwax ignorierten das übliche Format. Auch Sartre hielt nichts von festen Regeln. Der Mensch müsse sich seine eigenen machen. Im Wissen, dass er die morgen schon wieder anders bewerten könnte. Mal sehen, was Soulwax als nächstes tun.

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