Son Lux „Brighter Wounds“ / Review

Brighter Wounds von Son Lux offenbart Wunden. Vor allem die, die anderen Musikern wahrscheinlich zu privat oder authentisch wären. 

Verletzlichkeit ist ein großes Thema gerade. Und ein verdrehtes. Denn während einige Herrschende mit prolligem Machogehabe laute Eindimensionalitäten nach draußen ballern, erscheint es als angemessene Form der Stärke, die eigene Verletzlichkeit zu offenbaren. Der New Yorker Musiker Ryan Lott tut sich dafür mit dem Gitarristen Rafiq Bhatia und dem Schlagzeuger Ian Chang zu Son Lux zusammen. Auf dem Album Brighter Wounds offenbart Lott die titelgebenden Wunden in vielerlei Hinsicht. In erster Linie löst er sich von einem postmodern herrschenden Coolnessidiom, das vorschreibt, in der Kunst bitte möglichst wenig Autobiografisches oder gar Authentisches von sich zu geben. Lott, in dieser Hinsicht also knallhart, macht auf Brighter Wounds die Geburt seines Sohnes und den Krebstod eines Freundes zum Thema.

Der Rückzug ins private Glück oder Unglück also, aber alleine wäre das als Thema zu biedermeierlich. So verknüpft Lott Ereignisse, die tagtäglich unzählige Menschen erleben, mit der Welt derer, die sich groß und unverletzlich fühlen und die Zukunft seines Sohnes verdunkeln – insbesondere weil besagter Sohn im Wahljahr Trumps zur Welt kam. Das Private soll mal wieder politisch sein. Und Lott geht diesen Weg mit einem Hang zur softness.

bei aller Wahrhaftigkeit zeichnet Brighter Wounds auch eine große Künstlichkeit aus, die die Introspektion zur Allgemeingültigkeit macht

Doch bei aller Wahrhaftigkeit, die er für sich beansprucht, zeichnet Brighter Wounds auch eine große Künstlichkeit aus, die die Introspektion über einen gekonnten Umweg zur Allgemeingültigkeit macht. Ein Brief an das ungeborene Kind – will man so viel Intimität überhaupt hören? Ja, wenn sich dieser Brief in jenem seltsam synthie-glitzernden Post-80s-Revival-Sound zeigt, den Son Lux für das Album entwickelt haben. Das ist eine der Stärken von Brighter Wounds, dessen schonungslose und bisweilen auch sich selbst überbewertende Intimität einen bang werden lässt. Denn auf Soundebene seziert die Band Glamour zur Reduktion. Hauchdünne Klangflächen tragen die subjektiven Bekenntnisse. Man hat Angst, dass sie gleich reißen, obwohl sie bei näherem Hören doch so vielschichtig sind.

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