Soft Hair „Soft Hair“ / Review

Soft Hair vertonen die Lust am spielerischen Pop-Moment vollkommen ironiefrei.

Für eine besonders weiche und glänzende Mähne braucht man bekanntlich eine ordentliche Spülung: Die duftende Emulsion bändigt nicht nur störrische Strähnen, sondern sorgt auch noch für einen sensuell-schmierigen Badespaß.

Im Video zu „Lying Has To Stop“, der ersten Single des Psych-Pop-Duos Soft Hair, werden dazu prompt die langen Locken unter der Dusche geschüttelt – und zwar zu samtweichem, verspult leierndem Lush-Funk. Der Bandname ist in diesem Fall nicht nur Programm, sondern auch der kleinste gemeinsame Nenner: Denn hinten Soft Hair stehen keine Geringeren als die Pop-Virtuosen Connan Mockasin und Sam Eastgate alias Samuel Dust. Letzterer hatte bereits als Frontmann der Indie-Raver Late Of The Pier für schrille Sound-Hyperventilationen gesorgt, sich dann anschließend mit seinem Solo-Projekt LA Priest aber gänzlich einem organisch fließenden Earth-Pop verschrieben. Mockasin versuchte seinerseits das intuitiv-imaginative Songwriting synästhetisch auf die Spitze zu treiben: Sein zweites Studio-Album Caramel sollte sich nämlich so anhören, wie die bernsteinfarben schimmernde Süßigkeit aussieht – karamellig.

Soft hair treiben das Sensuell-Intuitive weit über die eigene Grenze hinaus.

Im gemeinsamen Projekt Soft Hair finden beide Künstler nun endlich ihr kongeniales Gegenstück und knüpfen scheinbare Ambivalenzen zu einem kohärenten Patchwork-Klangteppich: Krude Laute und schillernde Leitmelodien greifen hier ebenso grandios und mühelos ineinander, wie psychedelische California-Referenzen, leichtfüßiger Disco-Glam und bassschwere Blues-Ankläge. Dabei haben weder Dust noch Mockasin Angst vor Kitsch. Ganz im Gegenteil, sie treiben das Sensuell-Intuitive weit über die eigene Grenze hinaus und vertonen ihre Lust am spielerischen Pop-Moment ganz frei von Ironie. Auch die nicht von der Hand zu weisende weirdness, die sich aus der Synergie zweier äußerst kapriziöser Pop-Dissidenten eben zwangsläufig ergibt, ist weder kuratiert, noch inszeniert: Es geht hier nicht um den Weirdo-Faktor als Authentizitätsabzeichen, nicht um das Abgedreht-sein um des Abgedreht-seins willen, sondern um Freiheit und Natürlichkeit. Weirdness als natural state.

Wenn sich im Opener ihres selbstbetitelten Debüts, „Relaxed Lizard“, also warm orgelnde Synths, funky Bass-Linien und tropisch schnalzenden Klanghölzchen ideal zum zart croonenden Gesang des Duos fügen und Dust letztendlich hoffnungsvoll aushaucht: „Oh to be / The real thing“, dann ist das eine Liebeserklärung an die genuinen Spielarten des Pop, dann ist das the real thing. Ein sensuell-schmieriger Badespaß.

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