Soak Before We Forgot How To Dream

Komm, sei auch du ein nobody: Soak stellt sich der allgemeinen Selbstdarstellungssucht entgegen.

Lassen Sie mich gleich zu Beginn einen Teil meines bescheidenen Honorars dem Phrasenschwein opfern: Für das erste Album hast du ein Leben lang Zeit, für das zweite nur wenige Jahre. An diesem Umstand sind nicht wenige Künstler gescheitert. Für die 19-jährige Bridie Monds-Watson ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Bei Before We Forgot How To Dream handelt es sich schließlich um das Debütalbum der Nordirin. Und da steckt viel Leben drin. Ein ganzes fast. Manche der 14 Stücke hat Monds-Watson schon mit 13 Jahren geschrieben, andere mit 15 et cetera. Die Liebe, die Eltern, das Meer. Alles wird beobachtet und verarbeitet, wie es sich gehört.

Dass die Musikerin Mitglied der Generation Instagram und instant chat ist, äußert sich nicht nur in modisch stilisierten Liedtiteln wie »B a noBody« (sic). Doch ihre Texte sind weder oberflächlich, noch von pseudo-emotionalen Allgemeinplätzen durchsetzt. Stattdessen stellt Soak sich etwa im eben erwähnten Stück der allgemeinen Selbstdarstellungssucht entgegen und formuliert mit zarter Stimme die Einladung, es ihr gleichzutun: Komm, sei auch du ein nobody, Freiheit durch Verschwinden! Eine moderne Weisheit von post-moderner Gültigkeit. Der französische Dadaist Francis Picabia prägte etwa schon 1923 den Aphorismus: »Es gibt nur einen Weg, sein Leben zu retten: Opfere deine Reputation!« Picabia meinte allerdings auch, die Kunst, die er liebe, sei jene der Feiglinge. Ein solcher ist Monds-Watson keinesfalls. »Reckless Behaviour« etwa ist ein Plädoyer für den eigenen Kopf: Meinetwegen kannst du dich gerne wie 40 anziehen und versuchen, mich mit Internetgedichten zum Einlenken zu bewegen, aber ich sage dir: Was die anderen sagen, stimmt nicht.

Before We Forgot How To Dream ist voll von solch unprätentiösen und – Achtung, böses Wort – »erwachsenen« Forderungen. Den sich streitenden Eltern sagt das Kind: Wir sind ein Blut, vergesst die Sache, Schwamm drüber! Der zögernden Freundin: »Hailstones Don’t Hurt« – Hagelkörner tun nicht weh! Stürmisch ist das Album allerdings nur bedingt. Zwar unterstreicht die detailverliebte Produktion mit all ihren Field-Recordings-Einspielern, Streichern und Feedbacks die ungemeine Reife von Soak. Ebenso wie sie dem Werk damit den unfertigen, noch nicht formvollendeten Charakter eines Debüts nimmt, so versackt diese Alles-richtig-Macherei doch hin und wieder in musikalischen Standardarrangements zwischen Orchester-Folk und Kaminzimmerpop. Vorerst keine Zukunftsmusik also, aber ein beachtlicher erster Aufschlag allemal.

2 KOMMENTARE

  1. Das ist ein netter, kleiner, durchaus lesenswerter Artikel über SOAK mit ein paar kleinen Fehlerchen drin. Das Alter stimmt u. A. nicht. Sie ist seit Anfang Mai bereits 19 Jahre alt …

  2. Und wo kann ich mir jetzt etwas von der Künstlerin anhören? Wäre in Link oder embedded Player nicht angebracht? Werde jetzt wohl diese Seite wieder verlassen und woanders im Internet suchen müssen. :-/

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