„So was von da“ – Filmfeature zum Kinostart

Bild: Still aus So was von da

So was von da erzählt die Geschichte einer letzten Clubnacht in Hamburg. Wenn man sich auf den Film von Jakob Lass einlässt, bleibt am Ende vielleicht ein leichter Kater zurück. Wenn man sich nicht drauf einlässt, gestandener Kopfschmerz. Schmeißt man halt die erste Aspirin im Kino – ever.

So was von da basiert auf dem gleichnamigen Kiezroman von Tino Hanekamp, der mit Regeln und Konventionen ähnlich lasch umging wie Regisseur Jakob Lass. Dinge, die bei jedem Redigat für Wut und Unverständnis sorgen würden, von changierenden Schriftgrößen bis hin zu verschwimmendem Text, sorgen bei Hanekamp für die Stimmung. Bei Lass verhält es sich ähnlich.

Lass hat keinen Bock auf Drehbücher. Statt seine Schauspieler_innen also ellenlange Regieanweisungen einstudieren zu lassen, den einzelnen als Schachfigur in der Hand des übermächtigen Regisseurs zu begreifen, lässt er Menschen aufeinander los. Während das in Love Steaks noch in einem geordneten Rahmen ablief – Lass ließ Franz Rogowski und Lana Cooper mit echtem Hotelpersonal vor die Kamera treten – hat die Abstinenz gängelnder Regisseursarbeit in So Was Von Da etwas Anarchisches. Alle dürfen nicht nur machen, was sie wollen, sie machen es auch.

Bild: Still aus So Was Von Da v.l. Oskar (Niklas Bruhn), Pablo (David Schütter)

Alle, das sind der Clubbetreiber Oskar (Niklas Bruhn), seine Freunde Rocky (Matthias Bloech von Heisskalt), Nina (Martina Schöne-Radunski), Sunny (Johannes Haas) und Pablo (David Schütter).

So was von da ist ein Film vieler Geschwindigkeiten. Während Oscar mehrere Leben in einer Nacht durchmacht, erlebt Mathilda (Tinka Fürst) nicht viel mehr als das episodenhafte Kennenlernen des erratischen Oskars. Kamera und Schnitt begleiten das Gefühl verschiedener Zeitebenen, die doch irgendwie wieder zusammenfinden. In ständigen Verfolgungsjagden der Hauptakteure begleitet das Publikum die nervöse Angst, gleich jemanden aus den Augen zu verlieren – und für den Rest des Filmes selbst zum teilnahmslosen Teil der Party zu werden.

Oskar (Niklas Bruhn, links) und Rocky (Matthias Bloech) in „So was von Da”

Aus einem Film voller Pathos, Charakteren, die mit der dringlichen Romantisierung all ihrer Erlebnisse beschäftigt sind, wird mit der Zeit ein bedrückender. Daran Schuld sind nicht nur überraschende Brüche und Wendungen in der Story, sondern die nachvollziehbare Tragik des Alltäglichen.

Oscar und sein bester Freund Rocky sitzen im Auto und schweigen sich an, unterhalten sich in gestotterten Sätzen voller Füllwörter. Das Gefühl, viel sagen zu wollen und nichts sagen zu können, in den Gesichtern anderer zu sehen, ist zu intim, um es zu ertragen, zu real, um wegzuschauen. Zwischen modernen Archetypen, allerlei illegalen und Körpersubstanzen, zwischen Kiezdramatik und Heldenreise sind es dann diese persönlichen Momente, die in Erinnerung bleiben, die, ganz ohne es zu versuchen, vom glorreichen Scheitern der Menschlichkeit erzählen.

So was von da
Deutschland 2018
Regie — Jakob Lass
Mit Bela B, Matthias Bloech, Niklas Bruhn, Tinka Fürst, Martina Schöne-Radunski u.a.

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