Skatebård

Bård Aasen Lødemel kommt aus dem norwegischen Bergen und hört vermutlich schon seit seinen Teenager-Zeit in den späten Achtzigern auf den Spitznamen Skatebård. Entsprechend trägt seine erste LP den Titel »Skateboarding was a Crime (in 1989)«, erschienen im Jahr 2002 bei Tellektro, dem Sublabel des durch Annie bekannt gewordenen Bergener Indie-Labels Tellé.

    Das Cover jener recht skurrilen Retro-Electro-Platte zeigte Bård Aasen Lødemel zirka 15-jährig mit fiesem Ski-Anorak, noch fieserem Pony und halblangen Haaren. Seitdem geblieben ist Skatebårds Vorliebe für Musik aus längst vergangenen Zeiten. So widmete er sich in den letzten Jahren in erster Linie seiner Leidenschaft für Italo-Disco und trashigem Electro-Pop.

    »Cosmos«, Lødemels drittes Album, führt diese Mission fort. Der Opener, das großartige »Vuelo« lässt die Synthesiser sehnsüchtig schwelgen – die Nummer ist Rave, Disco und die Essenz von Pop-Musik zugleich. Das darauf folgende »Kosmos« erinnert daran, dass der Trance-Sound der frühen neunziger Jahre die Ästhetik von Italo-Disco konsequent fortführte. Nicht umsonst war dieses Genre seinerzeit südlich der Alpen so erfolgreich. Die Disco im Kopf jedoch, die beim Hören von »Cosmos« aufersteht, ist der legendäre Frankfurter Flughafenclub Dorian Gray. In Europa gehörte das 1978 eröffnete Dorian Gray zu den kühnsten Discotheken-Entwürfe seiner Zeit, seinesgleichen suchte das Soundsystem: Bis in die Neunziger wurde der High-Fidelity zuliebe auf Technics-Plattenspieler verzichtet, stattdessen fanden Thorens-Geräte Verwendung. Und auch das Licht hinterließ Eindruck.

    »Cosmos« würde den perfekten Soundtrack zum Dorian Gray abgeben – vom Electro- und Italo-Disco-Sound der achtziger hin zum Trance der frühen neunziger Jahre. Im Verlauf des Albums trüben indes verunglückte Früh-Techno/Progressive-House-Wiedergänger das Vergnügen – so zum Beispiel »Skatebård Loves You«, das wie eine uninspirierte Fortsetzung von Dave Clarkes »Red«-Serie klingt. Am Ende stellt man sich die Frage, ob man tatsächlich knapp achtzig Minuten lang in der Vergangenheit leben will. Dieser Längen zum Trotz überwiegt das Vergnügen, das Bård Aasen Lødemel bereitet.

LABEL: Digitalo Enterprises

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 31.10.2008

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.