Siobhan Donaghy

Siobhan Donaghy durch Ex-Atomic Kitten Heidi Range zu ersetzen, war eine Schande. Der Tausch meinte Persönlichkeit gegen Beliebigkeit. Der Stromlinienförmigkeit der girls-only Formation Sugababes kam der Wechsel sehr zupass. Ohne Siobhans Originalität (oder auch: Andersartigkeit) konnte Chartmaterial fortan (noch) kalkulierter produziert werden. Mit Erfolg. Dabei war Siobhans Abgang keinesfalls abgemachte Sache des Managements. Die damals 17jährige Irin hatte die Faxen dicke. Da war kein Land mehr in Sicht – nicht zwischenmenschlich, nicht persönlich, nicht körperlich, nicht geistig. Ship without a rudder, das ganze große Drama. Zwei Jahre und eine ordentlich dosierte Portion Antidepressiva später ist der Boden unter den Füßen zurück und Siobhan Donaghy wagt sich erneut an das zuletzt verhasste Sujet – die Musik.Gemeinsam mit Sugababes-Mitmischer Cameron McVey, dessen Sohn Marlon und einem Jung-Produzenten namens Pretesh machte sie sich an ein kurzweiliges Stück Eigentherapie: zurück ins Studio, erneutes Songwriting, nur eines ist anders – sie findet Gefallen daran.Unter dem folgerichtigen Titel »Revolution In Me« bietet Siobhan sprödesten Pop. Eigenwilligkeit in Melodie und Arrangements ist Programm. Dass dieses Motto-Songwriting nicht nervt, dankt sie ihrer Stimme: tief, weit, sehr viel reifer, als man es von einem 19-jährigen Ex-Sugababe denken mag. Sie klingt altmodisch, wie ein lebend-Relikt der späten 50er, dann wieder abgewetzt zerstreut wie eine jüngere und doch weniger kindliche Antwort auf Ricky Lee Jones. Ihre Musik ist nicht neu, doch angenehm uneingängig. Komisch, dass das noch keiner gesagt hat: ein Rohdiamant. Keine Schublade tut sich selbstredend auf und verschlingt das eben neue Produkt. Nichts spielt sich auf: Piano ist Piano, Gitarre ist Gitarre, Drums sind Drums. Wenig Zierrat, wenig Tamtam. Und Siobhans Prioritäten: Live-Vocalistin will sie sein, eine Live-Band haben, nur klitzekleine Gigs spielen, bitte bloß kein Startum. Man sollte ihr gutes Gelingen wünschen, denn wer Siobhan in ihrem ersten Solo-Videoclip »Overrated« betrachtet, sieht eine junge Frau, die kaum richtungsloser aus den Augen schauen könnte. Ein fragiles, taumelndes Wesen, das sich durch eine »drunken girls´ night out« treiben lässt. Step by step…, bitte!

LABEL: WEA

VERTRIEB: WEA

VÖ: 29.09.2003

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