Sinnlichkeit und Sinnsuche: R.I.P. Leonard Cohen

Wie seine Biografin am Donnerstag Abend mitteilte, ist Leonard Cohen am 7. November gestorben. Der Dichter, Romanautor, Songwriter und Sänger wurde 82 Jahre alt.

Als Leonard Cohen im Dezember 1967 sein Debütalbum Songs Of Leonard Cohen veröffentlichte, war er 33 Jahre alt, und das hörte man auch. Den Songs des Mannes aus Montreal, der sich seit Mitte der Fünfzigerjahre einen Namen als Dichter und Autor zweier Romane gemacht hatte, haftete nichts Unfertiges oder Jungspundhaftes an. Sie führten eine Art des Schreibens und Singens über Lust, Sex, Betrug, Liebe, Tod, Sinnlichkeit und Sinnsuche in die Folkmusik ein, die es zuvor nicht gegeben hatte. Sie waren ausgereift und erwachsen, kamen von einem Mann mit allerlei Erfahrung. Damals waren das noch keine popkulturellen Codewörter für Langeweile. Es muss wie der einzig wahre Stoff geklungen haben.

Schon Cohens Debüt und die ebenbürtigen Nachfolgealben Songs From A Room und Songs Of Love And Hate sicherten seinem Gesicht einen Platz auf jeder Mount-Rushmore-Skulptur, die man sich zur Folkmusik einfallen lassen könnte. Der Künstler blieb jedoch immer beweglich, erfand sich in den Siebzigern als strauchelnder ladies‘ man an der Seite von Phil Spector und Ende der Achtziger als Synthpopper mit überraschendem Hitpotenzial neu. Einen erheblichen Teil der Neunziger verbrachte er im Kloster, viele seiner letzten Jahre auf Tour.

Zuletzt veröffentlichte Leonard Cohen im Oktober sein 14. Studioalbum You Want It Darker. Seinen nahenden Tod thematisierte er darauf ebenso bescheiden und humorvoll, wie er es in einem langen, lesenswerten Interview mit dem Magazin New Yorker tat. „Ich bin bereit zu sterben“, sagte er darin. „Ich hoffe, das ist Ihnen jetzt nicht unangenehm, aber für mich war’s das wohl bald.“

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