Simon Reynolds‘ Lesereise

Simon Reynolds und sein Buch Retromania (im englischen Original)

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Kein Werk hat wohl im letzten Jahr den Popdiskurs so bestimmt wie Simon Reynolds' Retromania. In Retromania beleuchtet Reynolds in sehr detaillierter und essayistisch-kulturkritischer Manier das Phänomen Retro, beziehungsweise genauer: die Retromanie, als die suchtähnliche Abhängigkeit der Popmusik von ihrer eigenen Vergangenheit. Nachdem Retro bereits in den 90ern zum Schlagwort wurde (und sich 1995 auf einem SPEX-Cover wiederfand), war es wiederum Reynolds, der den (all-)gegenwärtigen und gar nicht mehr enden wollenden Trend zum Retro nicht nur unter ästhetischen Voraussetzungen beäugte, sondern in ihm eine antiprogressive, zu kritisierende Größe sah. Kurz gesagt ging es darum, klarzumachen, dass Pop in seinen Hochzeiten immer Jetztbezogen gewesen ist (das »Now« als der Urmoment des Pop), und dass das retromanische Erinnern, also das Herbeizitieren längst vergangener Musikstile, eine Alterserscheinung ist.

   Übrigens widmete SPEX der Retromanie in N°334 gleich ein ganzes Spezial, und Tobi Müller schrieb darin folgendes, wiederum Simon Reynolds paraphrasierend: »Die Popgeschichte ende nicht mit einem Knall, so der Autor, sondern mit einer Best-of-Box, deren letzte CD ungehört bleibt.« In diesem Sinne also »not with a bang and not with a whimper, but with a best-of-album.« Herzlichen Glückwunsch zu dieser Einsicht. Jedenfalls ist Reynolds' Retromania nun endlich ins Deutsche übersetzt und im Ventil-Verlag veröffentlicht worden. Vervollständigt wird das Buch durch ein Nachwort, in dem Reynolds die Rezeption von Retromania reflektiert. Außerdem geht Reynolds auf Lesereise durch den deutschprachigen Raum, die gleich morgen im Festsaal Kreuzberg in Berlin beginnt. Laut Verlag wird Reynolds dabei auch aus neuen Texten vorlesen, die sich ebenfalls mit der Retromanie beschäftigen. Übersetzer Chris Wilpert wird anschließend, nun, aus der Übersetzung vorlesen. 

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Simon Reynolds Lesetour zu Retromania
16.10. Berlin — Festsaal Kreuzberg
17.10. Hamburg — Golem
18.10. Köln — King Georg
19.10. St. Gallen — Palace
20.10. München — Optimal (Plattenladen)
21.10. Wien — Phil
22.10. Wels (Österreich) — Schlachthof
23.10. Nürnberg — Musikverein
24.10. Marburg — Trauma
25.10. Frankfurt — Orange Peel
26.10. Luxemburg — Exit07

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