Silje Nes

Bergen nun wieder. Auf ihrem Debüt »Ames Room« arbeitet sich die 26-jährige Norwegerin Silje Nes am Genre SongwriTronica ab. Sie lebte ein halbes Jahr lang in Berlin, alle Stücke schrieb sie in den letzten drei Jahren im Schlafzimmer auf Gitarre und Laptop.

    Die Kompositionen der ausgebildeten Pianistin gleichen denen von Amiina, Efterklang oder der frühen Múm, bestehen also vor allem aus Glasbläsern, ratternden Schreibmaschinensounds, träumerischen Synthieflächen, dazu kommen klappernde, klackernde, rüttelnde und gluckernde Geräusche. Darüber thront Silje Nes mit ihrer äußerst zarten Stimme und den mehr hingehauchten, inversen Texte. Die Gitarre zupft Nes über all dies fragile Instrumentarium auch noch, die Brücke Richtung Songwriting bzw. Popmusik wäre damit also auch geschlagen.

    Die Titel der 14 Stücke ordnen sich dieser breiten musikalischen Aufstellung ebenfalls unter: »Shapes, Electric« beginnt mit verzerrten Synthesizer-Sounds, knarzenden Geräuschen und in höchste Höhen gehobene Vocals, die Saiten werden nur sanft gegriffen, auch Ansätze von Blechbläserspiel sind vorhanden. »Searching, White« eröffnet gar mit arg verzerrt-verhallter E-Gitarre (mehr als drei Griffe scheint Nes darauf aber nicht spielen zu wollen), das Schlagzeug poltert monoton vor sich hin, Casio-Sounds zirpen im Off und Nes singt in dieser eineinhalbminütigen Hommage an Grunge über nächtliches Lustwandeln in fremden Vorgärten. Spooky ist allerdings anders. Im darauf folgenden Instrumental »Magnetic Moments Of Spinning Objects« experimentier Nes Anfangs mit Anrufbeantworter und Klarinette, bis sich darüber ein bedächtiges Arrangement aus Spieluhr-Elektronica und Akustikgitarre legt.

    »Ames Room« ist vielleicht nicht die innovativste der dreamy-Epik-Platten Skandinaviens, dafür aber ein Album, das weitaus mehr zwischen den 200 Aufnahmelayern zu entdecken anbietet, als es ähnliche Referenzkünstler tun. Am schönsten ist »Ames Room« aber immer dann, wenn Silje Nes das Experiment gegen ihre Stimme tauscht. Die ist nämlich zum sterben schön.

LABEL: Fat Cat

VERTRIEB: RTD

VÖ: 21.01.2008

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