Shoegazing

Rob da BankDas inzwischen berühmte Zitat der Manic Street Preachers »We Hate Slowdive More Than Adolf Hitler« zeugt nicht nur vom unbedingten Willen zur NME-Hall of Fame dieser inzwischen vielleicht dann doch zu Recht in Vergessenheit geratenen Glam-Pop-Gruppe. Gleichzeitig spitzt es die Diskussion zu, die um die Shoegazer von Anfang an geführt worden ist. Pale Saints, Chapterhouse, Adorable, Ride – meist waren es Jungs, die ihren Traum von einer schöneren Welt von der Bettkante aus träumten und deren wehklagender Ton gerne zum Synonym von Luxusproblemen erklärt wurde. Bloß sind Luxusprobleme halt auch reale Probleme, und außerdem begleitete Shoegazing perfekt diese frühen Neunziger Jahre als Gitarrenmusik für die MDMA-Glückskekse in Vorbereitung auf und Erholung vom Rave. Schon immer wurden Lush und Slowdive deshalb von den Ravern kooptiert, und Seefeel veröffentlichten gar auf Warp.

     Besonders vermag die Meldung daher nicht zu überraschen, wonach Rob da Bank ausgerechnet für das von Glasgow aus operierende Techno-Label Soma Recordings eine Shoegazing-Compilation zusammenstellt. »Shoegazing 1985 – 2009« erscheint in der »Sci-Fi-Lo-Fi«-Serie der Glaswegians. Dort durfte der alte Raver Andrew Weatherall bereits seiner Leidenschaft für Garage und Psychedelic Rock frönen.

Shoegaze 1985 - 2009    Nun versucht Rob da Bank tatsächlich eine historische Übersicht über wabernde Synthesizer, verrauschte Gitarren in Kombination mit Slow- und Midtempi zu bieten. Von Prä- und Proto-Shoegazern wie Jesus And Mary Chain und den Cocteau Twins über die orthodoxen Ride und Chapterhouse wird ein historisches Kontinuum aufgemacht, das mit der zweiten Generation weitermacht. Ulrich Schnauss und M83 arbeiten stärker elektronisch als die bisher genannten Bands. Es macht also durchaus Sinn, die Boards Of Canada mit in die Zusammenstellung zu nehmen. Der BBC-Radio1-Moderator, Richard D. James-Lookalike und ewige VW-Bus-Fahrer da Bank tut es. »Shoegazing 1985 – 2009« erscheint am 9. März 2009 über Soma/ Rough Trade.

     Nachbemerkung: Die bisher erschienen drei Alben des auf der Compilation gefeatureten Ulrich Schnauss sind im Oktober 2008 auf Independiente/ PIAS wiederveröffentlicht worden.

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