Sex / Fussball / Feminismus / Vampire / Weltuntergang

Die WM-Lounge in der Spex-Redaktion (Foto: Max Dax)
Die WM-Lounge in der Spex-Redaktion (Foto: Max Dax)

Die neue Spex #327 ist ab dem 19. Juni am Kiosk erhältlich. Max Dax gibt im Editorial einen Überblick über die Themen der aktuellen Ausgabe.

Liebe Leserinnen und Leser,

    1. SEX Herr Bonaparte: »Eigentlich geht es um Sex. Ganz wilden, animalischen Sex.« Jens Balzer: »Ich hatte es für eine Parabel auf die moderne Industriegesellschaft gehalten.« Herr Bonaparte: »So kann man es auch sehen.« Oder, acht Seiten zuvor, Jake Shears von den Scissor Sisters im Spex-Gespräch mit Sebastian Hammelehle: »Ich habe früher viele Wohnungen mit sehr vielen Strichern geteilt. Ich habe kein Problem mit Prostitution. Ich respektiere diesen Job. Als Popstar verkauft man sich ja auch, das meine ich gar nicht negativ – es ist vielleicht eher eine mentale Prostitution auf der Bühne, aber die Leute kommen ja doch auch, um meinen Körper zu sehen. In den besten Momenten unserer Konzerte habe ich mich immer als Prostituierter gefühlt.« (Vgl. auch: 4. Vampire.)

Spex #327 Cover    2. FUSSBALL »Was tun, Südafrika? Die Antwort, jedenfalls fürs Jahr 2010, ist deutlich: Der Fußball soll es richten.« Kulturtheoretiker und Spex-Autor Klaus Theweleit fuhr zwei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft nach Südafrika, nach Kapstadt und Johannesburg, und schaute sich dort um. Entstanden ist ein persönlicher Reisebericht, der vom Besuch des Apartheid-Museums, von der symbolischen Kraft des Balls und von Nelson Mandela erzählt. Die Fotos afrikanischer Stadien und Bolzplätze schoss Thomas Hoeffgen, sie stammen aus seinem bei Hatje Cantz erschienenen Bildband »African Arenas«, das wir auch als Abo-Prämie anbieten. Weitere Beiträge zum Thema Afrika in dieser Ausgabe: ein Artikel von Katrin Kruse über die den Stil der Kolonialmächte zitierende Mode der »Gentlemen of Bacongo«, eine kontroverse Diskussion im Pop Briefing über die eurozentrische Rezeption des Albums »Assume Crash Position« der tollen kongolesischen Band Konono Nº 1, ein Konzertbericht über das Broadway-Musical »Fela!« sowie ein Feature von Ingo Arend über den südafrikanischen Vergnügungspark Sun City, einst das Symbol repressiver Toleranz des Apartheid-Regimes und heute Gegenstand eines Films und eines Buchs von Aljoscha Weskott und der Kulturwissenschaftlerin Marietta Kesting.

    3. FEMINISMUS Noch nie berichtete Spex so ausführlich und undogmatisch über weibliche Perspektiven wie heute. Das liegt auch daran, dass der Post-Feminismus seine/ihre Botschaften der Selbstbehauptung nicht manifestartig in Stein meißelt, er zeichnet sich vielmehr durch die facettenreiche und beharrliche Überschreitung von (Geschlechter-)Grenzen aus. Das zeigt sich in der selbstbestimmten Aneignung von Klischees, auch denen des Feminismus. Die österreichische Künstlerin Birgit Jürgenssen begegnete den Insignien der Weiblichkeit mit Humor und affirmativen Zitaten. Kate Bush (ab Seite 98) wechselt im Register der Geschlechterrollenzuschreibungen, bis diese Kopf stehen. Lady GaGa und Rihanna bedienen sich der Übertreibung in der Inszenierung von Weiblichkeit, bis nur noch Kunstfigur übrig bleibt. Ebenfalls live: die Jungfrau von Orléans. Auch so eine tolle Frau.

    4. VAMPIRE Untote sind der TV- und Kinotrend des Jahres. In zwei Texten zu »Twilight« und »True Blood« beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe mit dem höchst vorläufigen Sieg der Mittelklassevampire über das Zombieprekariat. Georg Seeßlen, wie immer auf der Suche nach der Weltformel, schreibt ab Seite 108: »Wenn früher das Fantastische als unheimliche Kraft ins Normale einbrach, so ist in ›Twilight‹ der Einbruch des Normalen ins Fantastische gelegentlich so erschreckend, dass man die Untoten vor den Menschen bewahren möchte und nicht umgekehrt.« Wibke Wetzker bringt wenige Seiten später unsere neue Faszination für den runderneuerten Blutsauger auf den Punkt: »Der Vampir ist ein Gefäß für die Träume (und Albträume) der pluralistischen Gesellschaft im Wandel – er ist eine Popfigur.«

    5. WELTUNTERGANG Während das Öl im Golf von Mexiko munter sprudelt, reist der Fotokünstler Armin Linke um die Welt, um die Wunden und Narben, die der Mensch der Erde durch die Urbanisierung, den Bau von gigantischen Staudämmen oder schlicht Hartherzigkeit zufügt, mit staunendem Blick zu fotografieren. Im Kunst-Interview gesteht Linke seine Faszination für die Schönheit des Wahnsinns: »Wenn der einzelne Mensch keinen Einfluss mehr hat, wird ein Ereignis bedrohlich, und das macht es für mich interessant.«

    Max Dax

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.