Sekuoia – Einsame Akkorde / Feature, Debütalbum & Tour

Foto: Stephanie Stål

Nach drei Kleinstveröffentlichungen kündigt der Nachwuchsproduzent Patrick Bech-Madsen aka Sekuoia nun sein erstes Album an. Entgegen dem Trend zu Overnight-Express-Releases mit gehörig Vorlauf: flac wird am 16. September – wie seine letzte EP Reset Heart im vergangenen Jahr – via Humming Records erscheinen. Mit »Someone’s Problem« gibt es immerhin ein erstes neues Stück zu hören. SPEX traf den Dänen bereits, als er selbst noch nicht an ein Album glaubte – das Feature aus SPEX N° 360.

Nordwestlich von den drei rechteckigen Kopenhagener Seen, die das Zentrum der dänischen Hauptstadt von den umliegenden Stadtteilen trennen, liegt der Bezirk Nørrebro. Um die Mittagszeit füllt sich die Straße dort mit Schulkindern und jungen arabischstämmigen Männern, die rauchen und abhängen. Einst nannte man Nørrebro einen Arbeiterbezirk, dann galt es als »sozialer Brennpunkt«. Mittlerweile sind viele Studenten hergezogen, Plattenläden und Boutiquen reihen sich aneinander. »Ich mag, dass es hier so lebendig und friedlich zugleich ist«, sagt Patrick Madsen leise, während er schwarzen Kaffee in einer Bar trinkt, die um die Ecke seiner WG liegt.

Der 22-jährige (mittlerweile 23 – A.d.R.) Däne, der in Düsseldorf geboren und in Detroit aufgewachsen ist, hat letztes Jahr sein Informatikstudium auf Eis gelegt. Nun macht er unter dem Pseudonym Sekuoia elektronische Musik, die sich weniger zum Tanzen als zum Träumen eignet. Wer die melancholischen Klänge seiner ersten Solo-EP Trips aus dem vergangenen Jahr kennt, die Regentropfen und dezente Percussion, die vereinsamten Akkorde und wortlosen Vocals, der wundert sich nicht über Madsens introvertierte Erscheinung. Seine neue EP heißt Reset Heart und erscheint beim Berliner Label Humming Records. Ursprünglich sollte sie ein Album werden, aber dann beschloss Madsen, sich damit noch Zeit zu lassen. »Ein Album würde mich in eine Kategorie einschließen, mich als Künstler definieren. Dafür bin ich noch nicht bereit. Alben werden total ernst genommen, sie sind nachhaltiger, während EPs schneller in Vergessenheit geraten.« Möchte Madsen vergessen werden? Er weiß es nicht.

»Die Balance zwischen Hektik und Ruhe ist sehr wichtig für meine Musik.«

Die Verbindung zwischen den vier eigentlich grundverschiedenen Tracks auf Reset Heart schaffen Madsens Hang zum Organischen, die andächtigen Arrangements und die ähnliche Klangfarben. Letztere ergeben sich auch aus dem Umstand, dass Madsen in drei Songs dasselbe Sample verwendet – eine spanische, von ihm selbst eingespielte Gitarre. Zwar ist Trentemøllers Lost (In My Room) sein absolutes Lieblingsalbum, doch beeinflusst wurde er mehr noch von US-Samplemeistern wie Flying Lotus und Madlib. Seiner ersten EP merkte man das noch an. Reset Heart dagegen klingt entwurzelter und distanzierter. Es strahlt eine uneindeutige Erhabenheit aus. »Mein Studio befindet sich im Keller meiner Eltern«, sagt Madsen. »Sie wohnen etwa eine halbe Stunde außerhalb Kopenhagens. Meine tägliche Routine besteht aus dem Fußweg zum Kopenhagener Bahnhof, der Zugfahrt und dann dem Weg durch diesen sehr ruhigen Ort, auf dem man oft keinem Menschen begegnet. Diese Balance zwischen Hektik und Ruhe ist sehr wichtig für meine Musik.«

Um in Nørrebro zur Ruhe zu kommen, geht Madsen gern auf dem nahegelegenen Assistens-Friedhof spazieren, wo unter anderen der Philosoph Søren Kierkegaard begraben liegt. »Man hört dort kaum etwas von dem Lärm da draußen«, sagt Madsen und hält kurz inne. Zwei Wochen nach unserem Gespräch werden ein paar Straßen weiter Schüsse auf einen Attentäter fallen, der zwei Menschen getötet und fünf verletzt hat. Man wird sie auch auf dem Assistens-Friedhof gehört haben.

Dieser Text ist in der Printausgabe SPEX N° 360 erschienen. Das Heft kann versandkostenfrei hier bestellt werden.

Sekuoia live
18.10. Berlin – Prince Charles
21.10. München – Orangehouse
27.10. Köln – YUCA
29.10. Hamburg – Molotow

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