Seabear

Klein, aber oho! Der Auftritt von Seabear bei der c/o pop in Köln vor einigen Tagen stand ganz im Zeichen des retrospektiven Gesamteindrucks dieses urbanen Festivals für elektronische und eben auch akustische Popmusik unserer Zeit. Oder anders ausgedrückt: Fein – und oho! Die minimalistischen, zeitlosen und gleichzeitig messerscharf akzentuierten Popsongs des erst 24-jährigen Isländers Sindri Már Sigfússon fügten sich beim Gastbesuch des renommierten Iceland Airwaves Festivals bei der mittlerweile mehr als flügge gewordenen kleinen Schwester c/o pop wie maßgeschneidert in die klassizistische Architektur der Festivalzentrale im RheinTriadem. Und ergänzten sich zu einer einzigartigen Symbiose aus Raum und Ton, die für einen längeren Moment die sonst das moderne Leben bestimmende Zeit zu einer unwesentlichen Statistin in diesem Cinemascope-Film degradierten. Auch in beliebig oft abspielbarer Form entfaltet Sigfússons Debüt dieselbe magische Anziehungskraft, die den Hörer unweigerlich von der ersten Sekunde an in den Bann zieht.

    Aus den insgesamt zwölf Kleinoden spricht die nicht unbedingt zu erwartende Reife und Weisheit eines jungen Mannes, sowohl in musikalischer als auch in textlicher Hinsicht. Was will man Zeilen wie z.B. »Human skin is hard to live in« (»I Sing I Swim«) oder »Some nights, I swear / There is magic in the air« (»Owl Waltz«) noch viel Erklärendes hinzufügen, mal abgesehen von einem versonnen-zustimmenden Kopfnicken. Ganz in der Tradition des filigran-reduzierten Sixties-Pop besann sich auch Sigfússon zusammen mit einem kleinen Kreis isländischer Gastmusiker bei den Aufnahmen von »The Ghost That Carries Us Away« darauf, dass in erster Linie die Musik selbst durch ihre Kompositionen und ihre Textur einen wahren Glanz zu erzeugen vermögen. Deshalb gab es auch lediglich ein Mikrofon in dem kleinen Studio in Reykjavik, um das sich einheimische ›Szenegrößen‹ wie Eiki von Sigur Rós oder Orvar von Múm versammelten.

    Allein die Schlagzeugparts wurden in ›Breitwandsound‹ mit ganzen drei Mikros aufgenommen. Unmittelbarkeit und Intimität ziehen sich durch das gesamte Album und lassen einen wieder an die aufrichtige Emotionalität von Musik und deren Schöpfern glauben. »Like an owl with giant eyes / I’m a scarecrow in disguise« (»Arms«) ist vielleicht einer der schönsten Euphemismen der jüngeren Popgeschichte, angesichts dieses Meisterwerks aus dem vermeintlichen Land der Elfen und Trolle.

LABEL: Morr Music

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 17.08.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.