Schweinerei: Matthew Herbert hat Beef mit PETA

Als wir vor bald einem Jahr an anderer Stelle über »One Pig«, das Konzeptalbum des britischen Komponisten und Künstlers Matthew Herbert berichteten, schloss der Beitrag mit der Frage, wie wohl die Tierrechtsorganisation PETA auf Herberts Vertonung des Lebenszyklus eines Schweines reagieren würde. Die Reaktion von Peta liegt nun vor: Ablehnung, kategorische! In einem auf Matthew Herberts »One Pig«-Blog veröffentlichten Artikel liest sich die Reaktion von PETA International so:

»No one with any true talent or creativity hurts animals to attract attention (…). Pigs are inquisitive, highly intelligent, sentient animals who become frightened when they are sent to slaughterhouses, where they kick and scream and try to escape the knife. They are far more worthy of respect than Matthew Herbert or anyone else who thinks cruelty is entertainment«

Nun muss man differenzieren: Matthew Herbert ist in der Vergangenheit immer wieder durch politische Alben aufgefallen, zuletzt beschäftigte er sich auf dem Album »There’s Me and There’s You« mit komplexen Themenfeldern wie Folter in Guantanamo Bay oder des »Missbrauchs von Musik als Soundtrack zum Konsum«.

    Mit »One Pig« veröffentlicht Herbert im Juli 2010 das letzte von drei Alben der »One«-Trilogie, die Arbeiten dazu begannen im vergangenen Jahr auf einem kleinen Landwirtschaftlichen Betrieb nahe Herberts Heimat Whistable in Kent, England. Für »One Pig« begleitete Matthew Herbert die Geburt und Aufzucht eines Ferkels, die ursprünglich eingeplante Schlachtung durfte er aus rechtlichen Gründen nicht aufzeichnen. Außerdem nahm er Field Recordings von der Zubereitung und dem Verzehr des Schweins auf, im Studio wird Herbert schließlich die einzelnen Samples rearrangieren und ausschließlich auf Grundlage dieses Tonmaterials die Musik von »One Pig« komponieren. Auf seinem Blog reagierte der Brite nun auch in einer langen Stellungnahme auf die Anschuldigungen seitens Peta, der Text findet sich in Gänze hier:

»I eat meat. As I get older, I feel less proud of that fact. However, since I do eat meat, I think that I have a responsibility to understand the implications of that decision. As much as I didn’t relish the prospect of witnessing the death of a pig I had seen being born and raised, I felt it an important reality to face. It seems utterly absurd to me that PETA’s knee jerk reaction is to chastise me in public about the integrity of that process of enquiry without even bothering to ask me about the motivation or history of the project. In an otherwise distant and anonymous food chain, this one pig’s life has been clearly and respectfully acknowledged.

    PETA have not heard a single note of music made from sounds that I have gathered since I have yet to write it. They appear to have drawn their own conclusions as to what this might all sound like. They have concluded it will be ›entertainment‹.«

Während die Musik zu »One Pig« derzeit noch geschrieben werden will, liegt die von »One One«, dem ersten Album der »One«-Trilogie bereits vor. Zum ersten Mal seit einem Auftritt als Wishmountain vor 15 Jahren setzt Matthew Herbert nun seine eigene Stimme ein. Anders als auf seinen vorigen Alben hat er jedes Instrument, jede Note eigens eingespielt, jede Textzeile selbst gesungen. »Singing for the record was surprisingly difficult. There was no one there to tell me if I was terrible, and if I was terrible I had to fix it myself. (…) At times it took dressing in a black tuxedo and half a bottle of wine to get over the nerves«, kommentierte Herbert die eigene innere Aufregung während des Singens.

     Die zehn jeweils nach Städten betitelten Stücke von »One One« wurden über einen Zeitraum von vier Monaten in Herberts Studio in Kent eingespielt und aufgenommen, inhaltlich reflektiert das Album einen einzigen Tag. »One One« wird am 5. April auf Herberts Label Accidental Records erscheinen, die erste Single »Leipzig« wird zudem von einem Musikvideo begleitet, das man aktuell auf NME.com streamen kann. Für Mai wurde nun auch die Veröffentlichung von »One Club« bestätigt, Herberts Konzeptalbum aus dem Club Robert Johnson in Frankfurt-Offenbach.

 

VIDEO: Matthew Herbert – Leipzig

Matthew Herbert – One One:
01. Manchester
02. Milan
03. Leipzig
04. Singapore
05. Dublin
06. Palm Springs
07. Porto
08. Tonbridge
09. Berlin
10. Valencia

Foto: CC Gergely Csatari / Flickr

3 KOMMENTARE

  1. […] Sie schien schon längst erloschen: die Leidenschaft, die einst in Matthew Herbert für die Clubmusik brannte. Reduziert auf seinen Nachnamen, injizierte er House ab Mitte der Neunziger ein dringend benötigtes Heilserum. Seine damaligen Live-Auftritte sind legendär, und die Zusammenarbeit mit seiner Muse und späteren Ehefrau Dani Siciliano für das Album »Around the House« (1998) war gleichzeitig Pop-Gipfel und das Ende dieser Ära. Was sollte nach all diesen Großtaten, zu denen natürlich auch die Chipstüten Funkiness seiner Produktionen als Wishmountain und Doctor Rockit zählt, schon noch kommen? Der Engländer wandte sich neuen Aufgaben zu, vertiefte und verlor sich in Manifesten, Theorie und Politik, kümmerte sich um sein Label Accidental und gründete eine Bigband. Schnöde Bassdrums waren passé. Waren, denn im Rahmen seiner Trilogie »One« kehrt Herbert zurück zu seinen Anfängen. Während deren erster Teil sich am Singer-Songwriter-Ego des Exzentrikers labt, thematisiert der für den Winter geplante dritte Teil, »One Pig«, das Verhältnis Mensch-Tier: Herbert vertont ein Schweineleben von der Geburt bis zum Termin beim Schlachter – Empörung und Protest von Tierschützern inklusive. […]

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