Review: School Of Seven Bells Alpinisms

Um sich die Musik von School Of Seven Bells vorzustellen, muss man nichts weiter tun, als nach den Credits ihres Debütalbums »Alpinisms« zu suchen. Dort findet man zunächst die Mitglieder des Trios, Ben Curtis der die krautigen Space-Rocker The Secret Machines verließ, um sich ganz diesem neuen Projekt widmen zu können. Außerdem entdeckt man die Namen der bislang bei den shoegazigen On!Air!Library! aktiven Zwillingsschwestern Alejandra und Claudia Deheza. Später stößt man zudem auf Dankessagungen an Cocteau Twin Robin Guthrie, der ihre erste Single produzierte, und ihre Tourkollegen Blonde Redhead, deren Simone Pace hier auch Schlagzeugspiel beisteuert. Die Summe dieser einzelnen Teile darf man sich dann auf dem Albumcover visualisiert denken: eine weite Gebirgslandschaft aus deren Gipfeln ein halber Regenbogen schnurstracks gen Himmel entspringt. School Of Seven Bells machen Dreampop im wahrsten Sinne des Wortes.

    Uferten ihre ersten Aufnahmen noch mit minutenlangen Repetitionen aus, sind die Songs mittlerweile trotz vierminütiger Durchschnittslänge auf ein eingängiges Popgerüst reduzierbar geworden; für den ›Dream‹-Anteil sind noch vor Curtis’ sphärischem Gitarrenspiel die Stimmen der Deheza-Schwestern zuständig. Federleicht beginnen sie mit »Iamundernodisguise« abzuheben, wie in Trance versetzte Orakel wiederholen sie einen mantraartigen Text, der wie die nachfolgenden Stücke aus der gleichen Phantasiewelt zu stammen scheint, wie die sie umrahmende Musik. Im lebhafteren »Face to Face on High Places« ist ihr Gesang nahbarer und wird von warmem, kehligem Summen geerdet. Spätestens hier fällt auf, dass man mehr als nur zwei der wie Instrumente verwendeten Stimmen gleichzeitig hören kann, Effekte wie dieser oder die Verschmelzung von Gesang und Gitarre wie in »My Cabal« geben manchen Stücken gar einen leicht psychedelischen Touch.

    Die Melodien, oft von einer mittelöstlichen Exotik angehaucht, ohne dabei im Ethnokitsch zu versinken, spielen sich vor allem in den höheren Tonregistern ab. Besonders faszinierend ist, wie die vielen Stimmen der Dehezas, anstatt nur das Gleiche in verschiedenen Tonlagen zu singen, vielfältig miteinander agieren. Mal kommen sie sich entgegen, driften nach einem Aufeinandertreffen wieder ab, oder überschneiden sich – mal macht die eine Schwester mit jeder Note doppelt so große Schritte wie die andere, anderswo kontrastieren die beiden einander in Wechselgesängen.

    Besonders die Stücke mit mehr instrumentaler Bodenhaftung im Mittelteil des Albums wie »Wired for Light«, »White Elephant Coat« oder das nicht ganz überzeugende »Sempiternal / Amaranth« rücken den Gesang in den Fokus, stellen einen nötigen Kontrast zu den euphorischen Gipfelstürmereien an Anfang und Ende von »Alpinisms« her. Wie der Rest des Albums zeichnen sie sich durch nahtlos verwobene, detailliert durchdachte Arrangements von Gesängen, Curtis’ markantem Spiel und einer Vielfalt von Elektronik aus. In ihrer sanften Reizüberflutung sind die Scool Of Seven Bells-Songs zu groß, um mit einem Mal gänzlich erfasst zu werden – anstrengend ist das für den Hörer aber nie, vielmehr wird man dazu eingeladen, die Anlage lauter aufzudrehen und im Hintergrund eine Welt aus Wasserfällen, Vogelzwitschern, Dampfzug, Glocken und einer abwechslungsreichen Vielfalt aus elektronischen Drumsounds zu entdecken. Kein Album das man so schnell wieder vergisst, denn wie singen die Dehezas so schön in »Connjur«: »Those who say dreams are just dreams / say words end when you can’t hear them.«

Anm. d. Red.: Der Autor betreibt an anderer Stelle das Musikblog »Auf ein Neues«.

LABEL: Ghostly International

VERTRIEB: !K7 Records / Alive

VÖ: 14.11.2008

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