Schneider TM und Lustfaust

Wo hört die Kunst auf, wo fängt die Musik an? Arbeitet man sich durch die LustfaustBiografie, so stolpert man immer wieder über die Inszenierung, das Imaginäre, das dieses Projekt Anfang der siebziger Jahre ausgezeichnet haben soll oder hat, je nachdem, wie man sich der Geschichte nähert. Einerseits war das alles ein großer Spaß, die Band/das Projekt/die Musik, nämlich nicht-existent, inszeniert eben. Andererseits hält man hier eine Vinyl-Single in der Hand, für deren Texte Peter Kruger, früherer – hahaaa – Sänger bei Lustfaust, verantwortlich zeichnete. Vielleicht sollte man solche Betrachtungen einfach ausblenden, denn musikalisch gehen Schneider TM und Lustfaust eben doch zu interessante Wege, als dass es sich in der kleinteiligen Kunstanalyse zu verlieren lohnt.

    »The Girl Who Cried the Tears From Her Body« besteht aus einem ab der ersten Sekunde raumgreifenden, knapp sechsminütigen Rhythmusteppich, schnaufend wie der Kessel einer schweren Lokomotive, ratternd gleich deren Treibstange, welche die Maschine über die Gleise schiebt. Verwoben wird das Stück mit Gesangsfragmenten, die sich in Nähe und Distanz, Laut und Leise abwechseln, vereinzelt klingen Gitarrenanschläge durch. Dreampop nennt man das wohl, das klingt aber tatsächlich sehr dämlich, weshalb man es der Einfachheit halber episch nennen kann.
    »Sweet Divorcee« geht da den anderen Weg, den der Unterhaltungsmusik: Einfach strukturiert, mit Country-Pickings ausgestattet, Uptempo-Rhythmus und einem sich stimmlich überschlagenden Peter Kruger. Eine ähnliche Richtung wie in der letztjährigen Schneider TM-Single »Pac Man / Shopping Cart« (»Skoda Mluvit«), sieht man von Tempo und den hier mangelnden Beats ab.

    Interessant und unterhaltsam klingt das alles, aufregend nicht wirklich. Störend ist das schlussendlich aber nicht, denn diese 7“ ist ein Freifahrtschein, die Veröffentlichung 001 auf dem gerade erst von Dirk Dresselhaus (Schneider TM) und Michael Beckett (kptmichigan) initiierten Label MirrorWorldMusic. Um die Pleite aber von Anfang an auszuschließen erscheint diese Musik-Kunst-Kollaboration zusätzlich zur regulären Veröffentlichung auch gleich als 47 Exemplare umfassende limitierte Auflage. Nicht beim Indie-Händler um die Ecke. Nein! Ganz oben einsteigen ist die Devise: Die von Lustfaust-Gestalter Mick Larkin in Handarbeit gefertigten Artworks sind nur in der New Yorker Sunday Gallery bzw. der Haunch of Venison in London erhältlich. Sollte man sich also auch mal mit beschäftigen, mit dieser Kunstsache …

LABEL: MirrorWorldMusic

VERTRIEB:

VÖ: 13.09.2007

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