Schlammpeitziger What’s Fruit?

Mit What’s Fruit? veröffentlicht der Schlammpeitziger wieder mal ein Album. Der neue Sound bouncet rasant daher.

Keine Frage: Schlammpeitziger ist einer der Säulenheiligen des Sound Of Cologne, einer Musik, zu der man in der Domstadt Anfang und Mitte der Neunzigerjahre gar nicht tanzen können sollte – die legendäre Total-Confusion-Reihe im Studio 672 startete erst 1998 –, sondern eher abhängen. Das geschah zuallererst im tiefenentspannten Liquid Sky Club auf der Kyffhäuserstraße. Für die akustische Raumausstattung sorgten dort unter anderem die naiv verspielten Tracks von Schlammpeitziger, der 1993 sein erstes Tape bei einem Label namens Entenpfuhl veröffentlicht hatte. Das war echte Nerd-Musik, aufgenommen auf Acht-Spur-Kassette: Casio-Loops, Plucker-Bleeps, Katzenmelodien. Alles versehen mit ziemlich hohem Niedlichkeitsfaktor.

Der Schritt in Richtung Tanzbarkeit folgte bei Schlammpeitziger erst 2008 mit dem Album Schwingstelle für Rauschabzug, das erstmals mit Hilfe von Computertechnik aufgenommen wurde und Clubtauglichkeit durch straighte Beats und fundierte Bässe generierte. Zwei weitere Alben später ist Schlammi mit What’s Fruit erstmals bei einem nicht-kölschen Label gelandet (Pingipung aus Hamburg), er hat seinen Sound zudem vollkommen durchdigitalisiert und den Großteil der Platte mit einem iPad aufgenommen. Das hört man: Schon die erste Nummer, das Titelstück, bouncet sich den Weg frei wie ein Gorillaz-Track, nur dass eben kein Damon-Albarn-Pop-Tune daraus gestrickt wird, sondern grundsätzliche existenzialphilosophische Fragen verhandelt werden: »Are you linear, triangle or loop? What’s fruit?«

»Balcony Sofaune« vermählt Four-to-the-floor-Beats mit Happy Hardcore und Keyboard-Improvisationen, während der Cha-Cha-Cha von »Kruste Halzemich« zur After-Work-Party – gibt’s sowas überhaupt noch? – lädt. Beim ziemlich großartigen »Hagelslaag Süchteln« wird es dann ein wenig bedrohlich: Der schnelle Beat treibt nervös voran, und der monotonale Bass setzt einen hypnotischen Gegenakzent. Darüber: elektromagnetisch aufgeladene Synthesizerwolken. Die restlichen Stücke untermauern den Eindruck: Das hier ist immer noch Schlammpeitziger – aber jetzt in slick, audiophil und durchquantisiert. Schon geil, irgendwie.

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