Schlafend an meiner Schulter

Das Unerhört! Musikfilmfestival in Hamburg wurde gestern eröffnet, am morgigen Samstag sieht man dort »Hans im Glück«, Claudia Lehmanns Dokumentation mit und über den Berliner Musiker Hans Narva. Dazu wird es im Rahmen der Filmvorführung ein Konzert Narvas mit seiner Band Hands Up Excitement geben. Martin Hossbach sprach mit der Regisseurin über ihre Motivation zu »Hans im Glück«, Narvas Rolle als Musiker der DDR-Band Herbst in Peking und seiner Reaktion auf die Dokumentation.

Worum geht es in »Hans im Glück«?
    Es geht um Hans, Ostberliner Urgestein, Musiker, (Lebens-) Künstler, seine Vergangenheit, seine Gegenwart, seine Musik, seine ›Familien‹, seine anstehende Haftstrafe. Ich würde sagen, der Film zeigt einen Ausschnitt aus einem sehr bewegten Leben.

Wie kam es zu der Idee, über Hans Narva einen Film zu machen?
    Ich kenne Hans seit Jahren, und traf ihn innerhalb der letzten 15 Jahre vielleicht durchschnittlich ein bis zwei Mal im Jahr – jetzt natürlich öfter, wegen des Films und wegen der Musik. Immer wenn er mir von seiner Vergangenheit erzählte, verspürte ich Lust, eine Kamera in die Hand zu nehmen. Das was und auch das wie er es erzählte fand ich so unglaublich, gleichzeitig faszinierend und absurd. Außerdem war und bin ich großer Fan seiner Musik – The Crack-Up Collective beispielsweise ist eine großartige Band –, die auch wieder einiges in Zusammenhang mit seinem Leben und seiner Vergangenheit erzählt. Als er alle Bands, mit denen er bereits zusammengearbeitet hat, zu einem ›Geburtstagskonzert‹ zusammenführte, war das ein willkommener Anlass für mich, diese Dokumentation zu beginnen.

Du spielst mit ihm heute zusammen in einer Band, dem Crack-Up Collective, richtig?

    Ja. Ich spiele Melodika und singe. Zuerst bin ich nur eingesprungen als »Hans im Glück« im Wendland lief und danach ein kleines Konzert stattfinden sollte …

Wie oft wird dort, in der neuen Band, Hans’ Vergangenheit thematisiert?
    Während der Proben geht es schlicht um die Gegenwart, damit haben wir genug zu tun.

Wie wichtig war Narvas Band Herbst in Peking in der DDR? Stammst Du aus der DDR?
    Ich bin in Hannover geboren und in Franken aufgewachsen. Ich hörte das erste mal aus Hans’ Mund von Herbst in Peking. Also kann ich wenig über die Wichtigkeit der Band in der DDR sagen. Als mir Hans Mitte der Neunziger die erste HIP-Platte schenkte, wurde ich beinahe süchtig, ich hörte sie rauf und runter. Das war eine Mischung aus Rock, sphärischen Klängen, geschichtlichem Matarial, aber auch russischer Tanzmusik – fand ich speziell und toll.

Wie gefällt Hans dein Film?
    Hans hat den Film noch nicht gesehen, d.h. einmal im Rahmen der Berlinale – nach ein paar Gläsern Wein – schlafend an meiner Schulter. Er sagt, er kann sich nicht erinnern, und wollte sich den Film eigentlich auch nie ansehen. Andererseits wird er ständig auf diverse Szenen angesprochen. Mir kommt es vor, als kenne er den Film schon ganz gut …

 

»Hans im Glück«, Regie: Claudia Lehmann, Deutschland 2009, 60 Min., Deutsch

Das gesamte Programm des Unerhört! Musikfilmfestivals findet sich hier. Am Freitag, den 4. Dezember 2009, präsentieren Spex-Musikvideoblogger Moritz Schmall und Chef vom Dienst Martin Hossbach die besten Musikvideos des Jahres 2009.

Unerhört! präsentiert Claudia Lehmanns »Hans im Glück« sowie Konzerte von Hands Up Excitement«:
05.12. Hamburg – Haus 73 (Film und Konzert, ab 19.00 Uhr)
10.12. Berlin – Eiszeit Kinos (Film und Konzert, ab 21.00 Uhr)

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