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Cody Critcheloe, der kreative Kopf hinter dem Disco-Artpop-Projekt SSION, collagiert und koloriert mit Vorliebe seine Musikvideos in grellen Neonfarben. Unter dem Titel BOY schuff er sogar einen ganzen Musikfilm. Nach Videoarbeiten für Peaches und Gossip nahm er sich vor kurzem Big Mouth von Spex #338-Coverstar Santigold. Für Spex schildert Cody die Arbeiten am Video und erzählt von intendierten Anspielungen, künstlerischen Freiheiten und dem Abschied von seiner eigenen Ästhetik.

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CODY CRITCHELOE:    Santigold wurde auf meine Arbeit eigentlich erst durch Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs aufmerksam. Er hat ihr einige Videos gezeigt und vorgeschlagen, doch mal mit mir zusammen zu arbeiten. Unser Arbeitsverhältnis war von Anfang an sehr gut und vor allem sehr einfach – ich hatte wirklich viele Freiheiten. Das einzige, was Santi mit mir diskutieren wollte, war die ästhetische Gestaltung – beim Inhalt hat sie mir jedoch völlig freie Hand gelassen.

   Mein erster Gedanke beim Hören von Big Mouth war, dass ich das gar nicht von Santi erwartet hätte. Aber ich mochte den Song auf Anhieb und mir war schnell klar, dass ich daraus ein cooles Video machen könnte. Außerdem hat Big Mouth eine Art von beißendem Humor, den ich sehr mag. Trotzdem hatte ich kein eigentliches Konzept oder eine große Idee, die hinter dem Video steht. Meine Arbeit ist sehr eigen und die Ästhetik, die ich verwende ebenfalls. Dabei mache ich einfach mein Ding, schere mich wenig um Regeln. Farbe bedeutet mir aber einfach alles. Übrigens, die Anspielungen auf Katy Perry, Lady Gaga und Beyonce waren von meiner Seite übrigens sehr wohl intendiert.

   Und obwohl Santi von Roc Nation (Anm.: Wie auch Rihanna oder Shakira.) gemanagt wird, hatte ich alle künstlerischen Freiheiten, die ich mir nur wünschen konnte. Dies lag wohl auch zum Teil daran, dass Big Mouth zunächst gar nicht als eigentliche Single-Auskopplung geplant war. Santi hat das alles unabhängig von ihrem Label entschieden. Das Video war ihr wichtig und sollte die Leute auf die kommende Platte aufmerksam macht. Sie hat das Video dann erst nach der Fertigstellung vorgezeigt und Roc Nation mochten es auf Anhieb genug, um es zu unterstützen. Für das Video benötigte ich einen Monat.

   Je mehr es nach Lo-Fi ausehen soll, desto länger brauche ich. Ich verwende dazu sehr oft Techniken wie Handzeichnungen und den Blue Screen. Für Big Mouth habe ich zum Beispiel jeden Hintergrund selbst mit Hand gezeichnet, dann mit Final Cut animiert und letztendlich die Farbe Frame für Frame hinzugefügt. Das ist natürlich viel Arbeit, und das Gros davon passiert in der Nachproduktion.

   Mit My Loves Grows In The Dark habe ich auch gerade wieder ein SSION-Video gedreht. Dort entledige ich mich meines alten Stils (Anm.: Im Video ist eine Totenmesse eines bislang typischen SSION-Charakters zu sehen.), was jedoch nicht heisst, dass ich nie wieder zu meiner alten Ästhetik zurückfinden werde oder diese nicht für andere Leute bereitstellen möchte. Im Moment habe ich einfach nur das Gefühl, dass ich mich weiter entwickelt habe. Ich freue mich sehr darauf, neue Dinge auszuprobieren und die Leute mit unerwarteten Veränderungen zu überraschen. Ich werde da ein paar ganz schön coole Sachen aus meinem Ärmel schütteln, zum Beispiel drehe ich gerade ein Video für MNDR.

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