Sandy Alex G »Beach Music« / Review

Weiterhin kauziger Eigenbrötler: Sandy Alex G traut sich auch beim siebten Werk nicht in ein richtiges Studio.

In den Momenten, in denen Sandy Alex Gs Gesang plötzlich zu einem Flüstern abebbt, fragt man sich unwillkürlich, ob dies künstlerische Gründe hat. Oder ob er womöglich nur auf seine Nachbarn Rücksicht nimmt. Obwohl sein siebtes Werk erstmals bei einem größeren Label erscheint, hat der junge Singer-Songwriter aus Philadelphia Beach Music genau wie seine vorherigen Werke im eigenen Schlafzimmer mit billigem, digitalem Equipment aufgenommen. Ein durchaus nachvollziehbarer Schritt, da es gerade diese kauzige Eigenbrötelei war, die dem Vorgänger DSU im letzten Jahr einen beachtlichen Erfolg bescherte und seine Bandcamp-Seite in eine Fundgrube für charmanten DIY-Pop verwandelte.

Genau wie die Frage nach den hellhörigen Nachbarn kann auch jene, ob der 22-Jährige nun besonders naiv oder vielmehr besonders clever für sein Alter ist, nicht genau beantwortet werden. Vermutlich stimmt beides, denn einerseits spielt Alex Giannascoli vor allem bei seiner Stimme gerne mit Effekten und lässt so das Finale von »Bug« einen ausgelassenen Streifenhörnchenchor trällern. Andererseits folgt mit »Thorns« ein trauriger Walzer, bei dem nicht nur Gesang und Melodieführung frappierend an Elliott Smith erinnern, sondern auch die schlichte Schönheit des Songwritings.

Auf ein kleines Zugeständnis hat sich der überzeugte Einzelgänger dann aber doch eingelassen und die Aufnahmen erstmals von Jake Portrait, der hauptberuflich bei Unknown Mortal Orchestra Bass spielt, abmischen lassen. Zusammen mit der stilistischen Vielfalt und dem Facettenreichtum sorgt dieser etwas detailliertere Klang dafür, dass Beach Music das bisher beste Album des jungen Musikers ist. »Kicker« erinnert an den Indierock von Built To Spill, während »In Love« dank klagender Trompete und Besenschlagzeug die Eleganz einer klassischen Jazz-Ballade ausstrahlt – wäre da nicht der etwas ulkige, nölende Gesang. Ausgerechnet beim sanften Dreampop von »Salt« klöppelt der Drumcomputer unablässig ein Fill-in, das auch direkt aus Phil Collins’ »In The Air Tonight« stammen könnte, und die Seltsamkeit »Station« braucht zwei Minuten, bis sich aus Stimmengewirr und vogelfreiem Schlagzeug langsam eine Melodie schält. Vor allem »Ready« mit seinem aufwändigen Arrangement und der üppigen Instrumentierung deutet dabei an, wohin die Reise für Sandy Alex G gehen könnte, wenn er sich in Zukunft in ein richtiges Studio traut und den einen oder anderen Musiker einlädt.

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