SAMSTAG NACHT LEBEN

Donnerstag ist Kinotag, d.h. Neu-im-Kino-Tag, und da ist doch jeder dankbar für einen kleinen Tipp, bevor man direkt in den nächsten überanimierten oder -ambitionierten Martial Arts-SciFi-Mittelerde-Samurai-Streifen rennt (was natürlich völlig in Ordnung ist). Ob die Empfehlung, sich den heute in D …
Donnerstag ist Kinotag, d.h. Neu-im-Kino-Tag, und da ist doch jeder dankbar für einen kleinen Tipp, bevor man direkt in den nächsten überanimierten oder -ambitionierten Martial Arts-SciFi-Mittelerde-Samurai-Streifen rennt (was natürlich völlig in Ordnung ist). Ob die Empfehlung, sich den heute in Deutschland startenden Film "Don’s Plum" stattdessen anzusehen, mit sicherer Gewähr ausgesprochen werden kann, ist allerdings keinesfalls gesichert. Nennen wir es deshalb einen freundlichen Hinweis auf einen auf diversen Ebenen sehr interessanten Film und entgehen so den üblichen Regressansprüchen, denen wir dem Volke dauernd etwas aufschwatzenden Opinionleader ja permanent ausgesetzt sind. "Don’s Plum" stammt ursprünglich aus dem Jahre 1995, wurde aber seinerzeit nicht nur aus Geldmangel unvollendet, sondern auf Grund der Klage zweier Protagonisten irgendwann gänzlich auf Eis gelegt, und hätte nicht das cineastisch so interessierte wie freigeistige alte Europa sich irgendwann der Postproduktion und Fertigstellung des Films gewidmet. wäre er wohl für immer in der Besenkammer der Kinogeschichte verblieben. Der Rechtsstreit, den Leonardo Di Caprio und Tobey Maguire, zwei damals zwar bereits hochgehandelte aber noch nicht zu Weltruhm gelangte Jungschauspieler, Ende der Neunziger anstrengten und der die Nichtveröffentlichung von "Don’s Plum" zum Ziel hatte, wurde 1999 beigelegt, allerdings mit dem Ergebnis, dass der Film bis heute nicht in den USA und Kanada verliehen werden darf. Warum genau die beiden Freunde und späteren Superstars so eindringlich eine Aufführung verhindern wollten, ist nicht en detail bekannt und erklärt sich noch am ehesten durch die Tatsache, dass das Low Budget-Debüt des jungen Regisseurs RD Rob einer Art improvisierten Kammerspiel gleicht, in dem "echte", ins Spiel eingebrachte Charakterzüge der Darsteller von gespielten mitunter kaum zu unterscheiden sind. Vielleicht also waren die kurzen Einblicke, die "Don’s Plum" in das Wesen von Di Caprio und Maguire gewährt, den beiden schlicht zu privat oder gar peinlich. Trotzdem ist das gerichtliche Vorgehen gegen diesen Film letzlich fast imgaeschädigender als das was er wirklich zeigt. Weder Leonardo Di Caprio, der in früheren Rollen ja auch nicht vor Masturbation ("Jim Caroll/The Basketball Diaries") oder gleichgeschlechtlichem Sex ("Total Eclipse") zurückschreckte, noch Tobey Maguire sind nackt, auf Crack oder beim Zusammenschlagen oder Vergewaltigen von Minderheiten zu beobachten. Selbst das leicht arschlochhafte, was Di Caprio seinem Charakter Derek verleiht, vermag die versuchte Komplett-Zensur nicht zu erklären. Stattdessen dürfen sich ausgewiesene Leo-Fans freuen, den später ja leider hier und da zu Speckigkeit und Doppelkinn neigenden Schönling noch einmal in seiner adoloszentesten, hübschsten Rüpel-Boy-Phase zu erleben, mit im Schritt zerissenen, tief hängenen Vintage-Jeans, worin er gleich in seiner ersten Szene ausgiebig seine Hand versenkt, während er per Handy versucht, sich die für das traditionelle Kumpeltreffen im Lieblingslokal Don’s Plum obligatorische Date zu organisieren. Alle Macho-Phrasen helfen jedoch nichts, Derek ist schließlich der einzige, der ohne Mädchen zur Verabredung erscheint, um sich in Folge schlechtgelaunt und misanthrop die Girls der anderen zur verbalen Hinrichtung vorzuknöpfen, bis er sich entschliesst, die in seinen Augen noch akzeptabelste zu einem Quickie im Nebenzimmer zu überreden. Ein Fehlschlag auch das. Der Plot ist somit schon kurz umrissen: Vier Freunde (neben den erwähnten: Scott Bloom als Brad, Kevin Conelly als Jeremy) treffen sich jeden Samstag in weiblicher Begleitung in ihrem favourite diner, essen, trinken, hängen ab, reden dummes bis manchmal abrupt persönliches Zeug, über Sex, Drogen, ihre Familienverhältnisse. Alle Handlungen, jegliche Begegnungen mit Aussenstehenden kreisen um ihren Tisch oder nehmen dort ihren Anfang. Und seien es nur Kleinigkeiten, Gesten, Blicke oder Witze – das durchweg von den amerikanischen Film-, Fernseh- und Theaterbühnen geschulte Personal macht den Film zu mehr als einem improvisierten Low-Budget-Spaß. Rohe und zärtliche, kindliche und erwachsene Momente, Liebe und Hass, Tristesse und Happiness irrlichertern durch dieses Szenario einer langen Samstagnacht, die wirkt, als sei sie vielleicht die letzte, bevor das richtige Leben unweigerlich beginnen wird.

Don’s Plum. USA 1995/2000, 90min, 35mm s/w.Start 15.01.2004.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.