Sally Shapiro

Italo Disco? Auf der B-Seite der Pet-Shop-Boys-Single »I’m With Stupid« fand sich im letzten Jahr »The Resurrectionist«, das so deutlich wie bisher kein anderes Lied im über 400 Stücke schweren Katalog der Band Referenzen zum Synthie-Pop-Genre Italo Disco aufwies: ein gerader, unkomplizierter Beat, sphärische, einfach strukturierte, eingängige Keyboardmelodien in Verbindung mit einer sich entweder in geringem Tonumfang fortbewegenden oder oktavierten, nach vorne gemischten Basslinie. Italo Disco war in den frühen achtziger Jahren ein in Italien verfeinertes und durch die deutsche Plattenfirma ZYX genial vermarktetes Subgenre der in Europa damals produzierten Popmusik, es bediente sich (analoger) Synthesizer, Drum-Computer und dünner Stimmen. Charakteristisch für viele dieser Projekte war nicht nur die Nationalität der Künstler, die zumeist tatsächlich Italiener waren, sondern die fast ausschließliche Veröffentlichung von Singles oder Maxi-Singles, die in der Disco nur kurze Halbwertzeiten aufweisen. Wenn also heute eine Schwedin unter ihrem Pseudonym Sally Shapiro ein ganzes Album mit Italo Disco veröffentlicht, hat sie bereits etwas geschafft, das viele der klanglichen Vorbilder ihres 29-jährigen Komponisten und Produzenten Johan Agebjörn nur höchst selten erreichten. Die schon leicht pathologische Fixierung des Duos auf das oftmals belächelte Genre wird exzessiv ausgelebt und der Fan animiert, sich anhand diverser Links auf der Website des Projekts intensiver mit dem Genre zu beschäftigen. Die Persönlichkeit der Sängerin bleibt schwer greifbar, ein weiteres Merkmal des Italo Disco: keine Live-Auftritte, keine Interviews, keine Videos – weil sie nichts zu sagen hat? Weil sie schüchtern ist, wie sie in »Time To Let Go« singt? Ihre Stimme ist so leicht, rein, zuckrig und wohl intoniert wie die der Saint-Etienne-Sängerin Sarah Cracknell, Hörerinnen und Hörer, die Mitte der Achtziger popmusikalisch sozialisiert wurden, mögen auch an Michel Cretus grausige Schöpfung Sandra denken – womit sie Shapiro aber unrecht täten. Agebjörns Produktion klingt frisch, die Sounds sitzen, so treffend und modern tönte Italo Disco noch nie – und so elegant schmachtend sangen die Mütter und Väter von »Disco Romance« vor 25 Jahren niemals!

LABEL: Diskokaine/Klein Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.05.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.