Sad13 „Slugger“ / Review

Sadie Dupuis hat nicht einfach nur ein Popalbum aufgenommen, sondern zuvor den Mainstreampop genauer unter die Lupe genommen. Und sich geärgert.

Schon bei ihrer Band Speedy Ortiz steht Sadie Dupuis alias Sad13 zweifellos im Zentrum. Ihre fein beobachteten und clever inszenierten Geschichten über Außenseiter ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und lenken leicht davon ab, dass sich der Indierock ihrer Band zwar traditionsbewusst durch die Gitarrenmusik der Achtziger und Neunziger zitiert, dabei aber ähnlich clever und eigenständig klingt wie Dupuis‘ Texte. Auf Slugger kann die kürzlich nach Philadelphia gezogene Musikerin nun niemandem mehr die Show stehlen, denn – mit Ausnahme einer Strophe der Rapperin Sammus – hat sie das gesamte Album alleine geschrieben und aufgenommen. Die elf neuen Songs haben weder mit den beiden Alben von Speedy Ortiz noch mit Dupuis’ erstem Soloalbum The Death Of Speedy Ortiz, das sie 2011 unter dem Namen ihrer späteren Band veröffentlicht hat, viel gemein – stattdessen ist Slugger ein waschechtes Popalbum.

Depuis posiert auf dem Pressefoto zum Album nicht umsonst mit Baseballschläger.

Aber natürlich hat Sadie Dupuis nicht einfach nur ein Popalbum aufgenommen, sondern zuvor den Mainstreampop genauer unter die Lupe genommen. Und sich geärgert. Über die Geschlechterrollen, die Songs wie Robin Thickes „Blurred Lines“ oder „Genie In A Bottle“ von Christina Aguilera repräsentieren. Und darüber, dass es zwar tausende Songs über Sex gibt, dabei aber nie der wichtigste Aspekt gemeinsamer Intimität thematisiert wird – nämlich das beiderseitige Einverständnis. Dabei lässt sich dieses Thema in einen ebenso simplen wie eingängigen Refrain verpacken, wie „Get A Yes“ nun beweist: „I say yes to the dress when I put it on / I say yes if I want you to take it off / I say yes for your touch when I need your touch / I say yes if I want to.“

Auch die zweite Single „<2“ verhandelt ein komplexes Thema überraschend leichtfüßig. Der Song räumt mit dem Mythos der singulären, unveränderlichen Identität eines Subjekts auf und plädiert für ein postmodernes Spiel mit (gerne auch widersprüchlichen) Identifikationen. Passend dazu parodiert das Video die Schmink-Tutorials der Generation YouTube und lässt Dupuis in zahllose Looks schlüpfen. Doch nur weil „<2“ die Dagi Bees dieser Welt zitiert, die garstigen Gitarren von Speedy Ortiz auf Slugger knallbunten Synthies weichen und Sadie als Sad13 direktere und gerne auch mal zuckrig-süße Songs schreibt, hat die Sängerin nichts von ihrer Bissigkeit verloren. Nicht umsonst posiert sie auf dem Pressefoto zum Album mit Baseballschläger.

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