RZA

Ganz ehrlich: »The World According To RZA« war ein globalisierungsfreundlicher Move und eine schöne Geste über die Internationalität des Hiphop-/Rap-Handwerks. Für einen Geniestreich langte es nicht, da mochte Xavier Naidoos Bekenntnis »Ich Kenne Nichts (Das So Schön Ist Wie Du)« eine noch so eingängig-hübsche Hymne sein. Unterm Strich wirkten die Beatscapes vorgefertigt und industriell, der babylonische Sprachmisch, der sich von Track zu Track vollzog, eher enervierend. Aber RZA wäre nicht der Tausendsassa mit gemäßer Qualitätsgarantie, der er mittlerweile seit einem guten Jahrzehnt ist, wenn er nicht den ein oder anderen Trumpf aus dem weiten Ärmel zupfen könnte. »Birth Of A Prince« ist der eine. Wu-Tang-Sound ist hier zurück im Haus. Midtempo regiert, zupf-instrumentierte Melodiebögen haken an Beats, die, wie so oft, gemütlich wubbern, aber nichtsdestoweniger Feuer unter dem Allerwertesten zu schüren vermögen. Funktioniert in gewohnter Manier, und zu Beginn darf auch gleich Ol Dirty Bastard ans Mikro und auf »We Pop« Unruhe stiften. Ein paar Chicas raunen standesgemäß im Hintergrund und vertrauen Bootie-Roll´n´Shake auf die Passform ihrer roten Kunstledertangas. Hach, die alten Zeiten! Doch so richtig loslegen will RZA auf »Birth Of A Prince« nicht. Er verharrt im Slow-Dance und setzt auf Emotion: Strikter Rap-Shit wird stets mit leicht bedröhnt schlingernder Melodik abgetönt (»Whereever I Go«), die »shake-that-thing«-passablen Nummern (»A Day To God Is 1000 Years«) werden unentwegt durch weibliche Vocals aufgehübscht und Platz für eine federnde gefühlige Ballade (»Grits«) oder eine scheel lächelnde R´n´B Nummer (»Koto Chotan«) ist allemal. Unterm Strich verdient »The Birth Of A Prince« vor allem das Prädikat »wohldosiert«: Die Innovation allerdings, und somit den zweiten Trumpf, die Prinz RZA beschwört, hat er wohl eher der Zusammenstellung und Komposition des aktuellen Tarantino »Es-lebe-das-Gesetz-der-Rache« Streifens »Kill Bill« vorbehalten. Da schafft er es, die Marke »Tarantino« ebenso eingängig und prägnant zu bedienen, wie er vormals auch Jarmuschs »Ghost Dog« veritabel versorgt hat.

LABEL: Sanctuary

VERTRIEB: Zomba

VÖ: 13.10.2003

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