Review: Ryan Adams & The Cardinals Cardinology

Es fällt zunehmend schwer, mit Ryan Adams überbordender Produktivität, sei sie kreativem Überschuss oder bloßem Arbeitswahn geschuldet, Schritt zu halten. Wild wucherten in den letzten Jahren seine Veröffentlichungen, im Alleingang und mit Bandunterstützung. Für das neue Werk »Cardinology«, dessen Cover ein seltsames Zwitterlogo aus Peace-Zeichen, stilisiertem Greifvogel und eisernem Schürhaken schmückt, hat Adams wieder seine Formation The Cardinals formiert. Doch auch exzellent eingespielte Studiomusiker ändern nichts daran, dass es dem Songschreiber, zweifellos einem der begabtesten seiner Generation, wieder nicht gelungen ist, ein rundes und in sich geschlossenes Album aufzunehmen.



    Waren seine frühen Platten, allen voran »Gold« aus dem Jahr 2000, noch eine verschwenderische Anhäufung zahlloser Geniestreiche, mischte sich zuletzt leider immer mehr Mangelware unter die Playlisten: Quantität vor Qualität – So auch hier.



    Gediegene Countrypop-Songs wie »Born Into A Light« oder »Natural Ghost«, mit miauender Slideguitar und Flehgesang, schreibt Adams vermutlich bei jedem zweiten Soundcheck im Handumdrehen. Gleiches gilt für das einsam krachende, textlich aber arg schlichte »Magick« (»Let Your Body Move / Let Your Body Sway / Listen To The Music Play / It’s Magick«). Nein, die wenigen Augenblicke, in denen der Mann aus Jacksonville seine Liebe zu harten Gangarten andeutet, bildlich bewiesen durch die auf den Arm gestochenen Black-Flag-Balken, sind diesmal nicht erwähnenswert.



    Die stille Pracht Adamsscher Kompositionskunst zeigt sich auf »Cardinology« eher im Kleinen, bei einsamen Rotweinstunden. Der Kitt für zersprungene Herzen »Fix It«, »Crossed Out Name«, ein bescheiden zur Schau gestellter Trauerflor, und das Rückwärts gewandte »Stop« zum Ausklang verweisen auf singuläre Großtaten vergangener Tage. Es sind kostbare Gesellenstücke auf dem Weg zum Meisterwerk.

LABEL: Mercury

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 31.10.2008

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