Rückblende: Mac DeMarco beim Le-Guess-Who?-Festival

Foto: Erik Luyten

Le Guess Who?, Tag 3: Der Hofnarr im Hipsterstaat hat die guten Vibes dabei.

 Als die Produzenten der Rennfahrerkomödie Talladega Nights – The Ballad Of Ricky Bobby mit ihrer Filmidee beim zugehörigen Studio vorsprachen, soll ihr Pitch aus vier Worten bestanden haben: »Will Ferrell, NASCAR driver«. Wir haben auch eine Filmidee, und sie ist noch kürzer: »Mac DeMarco, College«. Die Irrungen, Wirrungen und Turbulenzen, die sich ergäben, könnten ohne Frage eine 90-minütige Komödie tragen. Vielleicht auch zehn Staffeln einer neuen Fernsehserie.

DeMarco aber hat sich gegen das College und für ein Leben als Popstar entschieden. Amerika wurde damit um eines der größten Experimente seiner Bildungsgeschichte betrogen und, wie am dritten Abend des Le-Guess-Who?-Festivals zu beobachten war, zugleich mit einer grenzenlos unterhaltsamen Liveband beschenkt. DeMarco und seine Jungs haben die Aura einer übermütigen, im Grunde harmlosen Highschool-Clique, die gemeinsam erste Erfahrungen mit Bier, Weed und der Pisse ihres Gitarristen macht (fragen Sie nicht weiter). Sie sind ein ziemlich pubertärer Haufen, für ihre Bandchemie ist das essenziell.

Den Spaß, den eine Band gemeinsam auf der Bühne haben kann, strahlt bei diesem Festival niemand anschaulicher aus als die Mac-DeMarco-Gruppe. Obwohl sie übermütige, im Grunde harmlose Popsongs mit erstaunlichen Gitarrenverwickelungen spielt, gibt es bei ihr immer wieder Moshpits, Crowdsurfer und vor allem stage invasions: Die Leute wollen Teil der Erfahrung sein, den gleichen Spaß haben und einmal ihrem Lieblingssänger um den Hals fallen. DeMarco lässt und ermutigt sie. Er ist ein überraschend vielseitiger, auf die richtige Art schlampiger Sänger. Vor allem aber ist er ein Showmaster.

Bei allen schlüpfrigen Witzen und Aftershow-Grasbestellungen, die schon mal auf offener Bühne erledigt werden, geht es in seiner Show zunächst einmal um good clean fun. Das Vermächtnis von Mac DeMarco wird vermutlich nicht sein, dass er zahlreiche Menschen dazu bringt, ihre eigenen Bands zu gründen – der kanadische NYC-Expat motiviert seine Fans eher dazu, sich genauso anzuziehen wie er. Überall komische schiefe Mützen, zu große und zu warme Flanellhemden und wahrscheinlich auch ein paar im Fronteinsatz verdiente Zahnlücken.

Wenn DeMarco am Ende der Show selbst zum Crowdsurfer wird, sich einmal auf den Venue-Balkon tragen lässt und todesmutig zurück in sein Stammpublikum stürzt, gibt er seinen Leuten damit nicht nur die Verhaltensregeln vor, sondern verschwimmt auch – beinahe buchstäblich – mit ihnen. Nach diesem Stunt könnte jeder Freak mit lustigem Outfit zurück auf die Bühne klettern und den letzten Refrain singen, es würde keine Rolle spielen. Vielleicht ist das schon das ganze Geheimnis der Mac-DeMarco-Experience. Soll ihm erst mal jemand nachmachen.

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