Rückblende: Liima live in Leipzig

Foto: Coral Castillo Mar

Der Rest ist Augenzwinkern: Beim Live-Nachholtermin in Leipzig setzen Liima auf das überzogene Spiel zwischen Band und Publikum. Steffen Kolberg war da und hat sich Gedanken gemacht.

In einem Interview zum Debütalbum ii sagte Sänger Casper Clausen vor zwei Jahren, dass er mit Liima niemals Teil einer Marke sein wolle. Inzwischen ist es 2018, und spätestens auf dem Konzert der Band im Leipziger UT Connewitz ist eine Entwicklung der Marke „Liima“ irgendwie erkennbar: Am Merch-Stand wird ein Livemitschnitt des Konzerts verkauft – direkt auf Vinyl gecuttet. Kostenpunkt für das Unikat: 150 Euro. Der völlig überhitzte Schallplattenmarkt macht’s möglich. Nur fraglich, ob so etwas auch in Leipzig weg geht. Skeptische Blicke.

Foto: Coral Castillo Mar

Den ursprünglichen Konzerttermin im Januar hatte Sturmtief Friederike verhindert. Ziegel fielen vom Dach des altgedienten UT Connewitz, aus Sicherheitsgründen wurde der Abend abgesagt. Die Band speiste im Saal mit den Mitarbeitern und gab ein kleines Privatkonzert. Mit dem Ausfall fiel auch der Support-Act Jungstötter weg. Die Leipziger Live-Premiere des neuen Soloprojekts von Sizarr-Frontmann Fabian Altstötter ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

Foto: Coral Castillo Mar

Die Efterklang+1-Combo Liima nimmt an diesem Abend gewohnt augenzwinkernd Bezug zur ursprünglichen Konzertabsage und läuft zu „Riders On The Storm“ auf die Bühne. Clausen trägt eine übergroße weiße Wetterjacke, die er mit abgelatschten Birkenstocks kombiniert. Er wird die Jacke später abstreifen, um mit seinem Merch-T-Shirt den Song „1982“ anzukündigen (da ist sie wieder, die Marke!).

Foto: Coral Castillo Mar

Clausen gibt den Entertainer, steckt sich zum Vocoder-Solo von „Your Heart“ das Mikro in den Mund und rennt gegen Ende des Konzerts mit einem Kalbel(!)-Mikro durch die Zuschauerreihen. Höhepunkt seiner Bühnenperformance ist allerdings der Song „Jonathan, I Can’t Tell You“, in dem er das Publikum minutenlang die Zeile „Jonathan, I Can’t Tell You, I Masturbate“ singen lässt und dazu fröhlich jaulend improvisiert. Rasmus Stolberg wiederum scheint einfach die Zufriedenheit selbst zu sein. Egal, ob an Bass oder Synthesizer, sein durch den Schnauzbart akzentuiertes Dauerschmunzeln bleibt ihm durchgängig erhalten.

Liima entwickeln sich zur Marke.

Zwischen Show und Ekstase bewegt sich dieses Konzert, Liima feiern sich selbst, die Location, das Spiel zwischen Publikum und Band. Einziger Wermutstropfen: Tatu Rönkko, der höchst talentierte finnische Perkussionist, den sich das Efterklang-Trio zur Bandneugründung dazu holte, hält sich bei diesem Konzert ans Schlagzeug. Bei der Tour zum Debütalbum stand er noch an verschiedensten elektronischen und akustischen Instrumentarien, die seinem Spieltrieb mehr Raum und der Band noch einen Funken mehr Drive gaben.

Foto: Coral Castillo Mar

Doch es bleibt dabei: Liima sind eine Live-Band erster Güte, ihre Auftritte leben vom Spiel. Deshalb macht ein Livemitschnitt absolut Sinn. Warum es ein Unikat bleiben muss, muss die Marke Liima beantworten. Der Rest ist Augenzwinkern. Wie die minutenlange Verabschiedung der Band nach der zweiten Zugabe zu „The Winner Takes It All“.

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