I just wanna live life and survive it: Rückblende Ghostpoet in Hamburg

Fotos: Janto Rößner

Der Mojo Club unter den »tanzenden Türmen« am Anfang der roten Meile Hamburgs, öffnet seine in den Betonboden eingelassenen, hydraulischen Tore für das gemächlich eintreffende Publikum des Londoner Vokalisten Ghostpoet. Jener überrascht. Zumindest die, die ihn zum ersten Mal live sehen.

17 Uhr: Kater – das Aufstehen lohnt sich nicht. Ungefähr für diese Stimmungslage ist Ghostpoets Musik auf Platte perfekt. Das Konzert ist anders. Die Melancholie seiner Texte wird überzeugend dargeboten in eine geradezu beflügelnde Show verpackt. Wo kommt sie her, diese authentische Freude an der Melancholie?

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Bittersüßes Reflektieren, offengelegte Selbstzweifel und optimistisches Unbehagen – über weite Strecken mit beiden Händen am Mikrofon erzählt Obaro Ejimiwe aus seinem Leben, teilt seine Überlegungen mit dem Publikum und spiegelt auf angenehm energetische Weise, wie der Großteil der Konzertbesucher, der so called Generation Dazwischen, sich im Jahr 2015 fühlt: I just wanna live life and survive it. Irgendwie schwingt ein subtiler Humor in den Worten seiner vernebelten Geschichten mit und die euphorisch rudernden Arme bilden während der Instrumentalparts einen counterpart zu seinen düsteren Aussagen. Die Bandbesetzung tut dem Geschehen auf der Bühne gut.

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Neben der Rhythmussektion und der meditativen Klangfarben von Rhodes und Piano komplettiert nun ein beträchtlicher Anteil an Gitarre inklusive verzerrten Soli das Bandkonstrukt. Die Dynamik der Live-Performance ist dadurch beträchtlich gewachsen. Die Freude am gemeinsamen Spiel ist spürbar, das Konzert ein erneuter Beweis, dass das Miteinander der Bandelemente Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keys eine scheinbar instinktive Euphorie auslösen. Auch wenn die musikalische Botschaft eine melancholische, gar düstere ist – wie die Londoner Zwielicht-Geschichten eines Ghostpoet.

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