Rückblende: Bonnie »Prince« Billy beim Le-Guess-Who?-Festival

Fotos: Tim van Veen & Eric Luiten

»USA! USA!« Will Oldham und Band spielen beim Le-Guess-Who?-Festival in Utrecht.

Wo Will Oldham auftritt, ist Will Oldham normalerweise auch der Star. Am Freitag Abend des Le-Guess-Who?-Festivals in Utrecht, wo Oldham als Bonnie »Prince« Billy ein Headlinerset mit vierköpfiger Band spielt, tut er alles, was er kann dafür: steht adrett angezogen auf einem Bein herum, redet mit selbstironischem Humor über sich und Kentucky, hüpft auf und ab, spielt gute alte Rhythmusgitarre, singt in die ungefähre Richtung der richtigen Töne.

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Trotzdem sind ausnahmsweise andere die Stars: Der lebenslängliche Indierocker Matt Sweeney zum Beispiel, mit dem Oldham vor zehn Jahren das Album Superwolf aufgenommen hat, gehört, womöglich aus Jubiläumsgründen, zur Liveband. Er trägt sehr schöne Stiefel und spielt sehr aussagekräftige Gitarrensoli. Außerdem Merchmann Oscar, ein Hillbilly wie aus dem Bilderbuch, der gelegentlich was dazwischen ruft und nach der Show jedem, der fragt, einen Witz erzählt.

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Im Vergleich zur Solotour, die Oldham Anfang des Jahres nur mit Akustikgitarre, Jutebeutel und Radfahrertrinkflasche bestritten hatte, geht es heute zünftig zu. Die Songs, die sich aus Oldhams Katalog und einer handvoll Folk-Standards zusammensetzen, stolpern country-schunkelig übereinander, der Kontrabass tapst schon mal einen Halbton voraus, alles ist allzeit Squaradance-bereit. Nur »I See A Darkness« gerät der Band im neuen Arrangement eine Spur zu zuckelig.

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An einem ohnehin sehr amerikanischen Abend im neuen Utrechter Kulturtodesstern Tivoli (40 Stockwerke, überall Treppenhäuser, Raucherboxen und Geheimgänge), der durch Auftritte von Perfume Genius aus Seattle (Blade Runner meets Xavier Dolan) und Parkay Quarts/Parquet Courts aus New York (Sonic Youth-Distortion meets Cowboypunk) gerahmt wird, sind Bonnie »Prince« Billy und seine Männer also locker die amerikanischsten Amerikaner. Wer das zugehörige Songbook auswendig kann, wird wahrscheinlich nichts besseres mehr hören an diesem Wochenende. Wer das alles zu »USA! USA!«-mäßig findet, kann vielleicht mit Oscars Humor mehr anfangen.

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