Rudimental »We The Generation« / Review

Rudimental lassen den Seelenstriptease mit Kirchenglocken und dicken Basslines hinter sich.

Rudimental stammen aus dem Londoner Stadtteil Hackney und sind weitgehend ein britisches und australisches Phänomen, vielleicht weil ihre Drum’n’Bass-Grooves für das ganz breite globale Publikum zu schroff sind. Ihre zielsicheren Nummer-eins-Hits »Feel The Love« (2012) und »Waiting All Night« (2013) verwandelten Niedergeschlagenheit und Einsamkeit in beseelte Lebensfreude. Das war nur ein Grund, warum die BBC Rudimental zum besten Festival-Act 2013 wählte: Mit seinen vielen Instrumenten, Gastsängerinnen und eklektischen Stilbrüchen ist das Quartett eine mitreißende Showband, die emotionale Widersprüche allzu harmonisch und rückstandsfrei auflöst.

Wie reagieren sie nun mit ihrem neuen Album auf den Erfolg (abgesehen von ausufernden Who-is-who-Gästelisten)? Rudimental lassen den Seelenstriptease mit Kirchenglocken und dicken Basslines hinter sich. Sie fangen auf We The Generation ambivalentere Emotionen ein, indem sie ihre stilistische Offenheit radikal weitertreiben. »Foreign World« ist eine Hommage an Amy Winehouses oldschooliges Soul-Verständnis, »Go Far« erinnert an Fleetwood Macs satte Riffs, bei »Bloodstream« fischen Rudimental in den folkigen Gewässern von Mumford & Sons, »Treading On Water« ist eine schmachtende R’n’B Hymne, »Needn’t Speak« verfolgt abgeklärten Jazz auf der Linie Nina Simones, explosiver P-Funk (»New Day«) wird von niemand Geringerem als Bobby Womack präsentiert, entrückter Ragga (»System«) von Bob-Marley-Weggefährte Max Romeo. Kurz: ein überzeugendes Großkaufhauskettensortiment.

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