Royal Bangs

DAX: Auf-die-zwölf-Musik aus Knoxville, Tennessee. »Let It Beep« verweist im Titel auf die Rolling Stones (»Let It Bleed«) und somit auf eine Neigung zum Rock als Besorger-Geste. Noise-Poprock ist die Grundierung des Quartetts, dessen Spektrum an musikalischen Ausdrucksmitteln auch Computerbeats, Samples und Harmoniegesang umfasst. Mit dem Effekt, dass man als Hörer permanent Schlüsselreizen ausgesetzt ist. Man könnte vielleicht von einem sonischen Rock-Verständnis sprechen, das sich zwischen den Stones, dem LCD Soundsystem und den frühen Pixies verortet.

REIHSE: Das klingt in der Tat nach New York von vor zehn Jahren, also 1999, auf Rolling Stones. Live sind Royal Bangs aber mit Sicherheit eine Bank.

DAX: Ähnlich den Signalen, die eine selbstbewusste Körpersprache aussendet, lautet der Subtext der zwölf Songs, dass hier eine Band um jeden Preis wahrgenommen werden möchte. Absolute, ehrgeizige Verausgabung in jeder Hinsicht ist hier herauszuhören. Die Arrangements von Royal Bangs sind darauf angelegt, in einer Konzertsituation das Publikum potenziell wegzupusten. Eklektizismus und eine überbordende Fülle an musikalischen Ideen und Detailverliebtheiten prägt »Let It Beep« vom ersten bis zum letzten Takt. Entscheidend ist, dass diese unfassbar dichte Taktung musikalischer Module funktioniert. Eben weil es einen roten Faden gibt, weil die Schiffe in die gleiche Richtung fahren: Es gilt das Diktat der Funktionalität. Es muss krachen, rocken, mitreißen. Und das ziehen Royal Bangs mit einer bemerkenswerten Konsequenz durch. Dynamik findet hier im Kontext eines voranmarschierenden Beats statt. Insofern stehen die Brachialität eines Rock-Ansatzes und die Idee einer Verausgabung von Indie-Dancefloor vereint beisammen.

LUTZ: Patrick Carney, der Schlagzeuger der Black Keys, fand an Royal Bangs derart großen Gefallen, dass er letztes Jahr nicht nur ihr bis dahin kaum wahrgenommenes Debüt »We Breed Champions« auf seinem eigenen Label Audio Eagle Records wiederveröffentlichte, sondern jetzt auch dessen Nachfolger. »Let It Beep« klingt im Vergleich zum Debüt gewagter und derart reichhaltig, dass man sich wahrlich schwertut, diesem Style-Mash-up eine klare Position zuzuordnen. Was keinesfalls schlimm ist, denn die Herangehensweise von Royal Bangs erinnert stark an die von Andrew Broder und seiner Band Fog: Auch die umreißen ihr Selbstverständnis nicht klar. Bei Royal Bangs hören wir darüber hinaus Bezüge auf zum prototypischen US-Indierock, wie ihn Pavement gespielt haben. Die schroffen Gitarren durchsetzen sich aber mit technoiden Sound-Sticheleien; einige Parts erinnern an die musikalische Untermalung eines C64-Endgegners: geloopte Spannungsbögen auf acht Bits codiert. Und das passt wie Arsch auf Eimer ins arty Kunstverständnis von Bands wie TV On The Radio oder Dragons Of Zynth – mit dem Unterschied, dass Royal Bangs sich nicht so ernst nehmen. Kein Wunder: Sie sind zu beschäftigt, ihre Durchschlagkraft zu perfektionieren. Im Gegensatz zu den genannten Fog und Pavement, die Electronica, Programming und Club-Feeling in das einfl echten, was schlussendlich als Rocksong durchgeht, beziehungsweise im Gegensatz zu Pavement, die den Lo-Fi-Sound zur Religion erhoben haben, geht es Royal Bangs vor allem darum, ihren Sound bis zum Bersten aufzupumpen. Es muss knallen, dafür ist ihnen jede Munition recht! Darin erinnern sie an Heranwachsende während eines Wachtstumsschubes, die am Tag gerne 6.000 und mehr Kalorien verbrennen – so scheint es auch um den Stoffwechsel von Royal Bangs zu stehen. Was sie finden, wird verheizt. Ein Feuer mit selten buntlodernden Flammen.

 


VIDEO: Royal Bangs – War Bells
MP3: Royal Bangs – Shit XMas

LABEL: City Slang / Cooperative Music | VERTRIEB: Universal Music | : 20.11.2009

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here