Rolling Blackouts Coastal Fever „Hope Downs“ / Review

Trotz allem irgendwie erwachsen, etwas mysteriös und auch britisch zeichnet Rolling Blackouts Coastal Fevers Hope Downs das Bild einer Indie-Disco-Eröffnung am Strand – und jeder ist eingeladen.

Ein shoey meint umgangssprachlich und grob übersetzt das Trinken eines alkoholischen Getränks aus einem Schuh. Besonders beliebt in Australien und mitverantwortlich dafür, dass Rockmusik, die den langen Weg vom anderen Ende der Welt bis nach Europa schafft, oft einen etwas faden Beigeschmack hat – wie die Bierfahne, die bei australischen Rock- und Punkbands gerne mal in einem Atemzug mit vergrastem Schweiß von Bühnen und Platten weht eben.

Kyle und Cole von nebenan, mit dem abgestandenen shoey im Anschlag.

Rolling Blackouts Coastal Fever aus Melbourne machen auf ihrem Debüt Hope Downs hingegen nicht den Eindruck, in euphorischer Katerstimmung geschriebene Songs als hörbares Konterbier verkaufen zu wollen. Schwitzige Gitarrenriffs und abwechslungsreiche Songstrukturen treffen hier auf Texte, die in ihrer Schwere auch einem Artrock-Outfit stehen würden. Statt aber dem klassischen Zynismus eines solchen zu verfallen, nimmt das Quintett die Endzeitstimmung zum Anlass, den grübelnden Pessimisten zu verdrängen und stattdessen das melancholische Hochgefühl eines nervösen Teenagers heraufzubeschwören. Klingt kitschig, klar. Aber 10 Dinge, die ich an Dir hasse mag doch auch fast jeder. Musikalisch lässt das Album die Frisur entweder zur Surfermähne mit blonden Strähnen wachsen, oder jenen Topf erscheinen, nach dem schon ganze Generationen britischer Rockmusik ihre Haarpracht geformt haben.

Trotz allem irgendwie erwachsen, etwas mysteriös und auch britisch zeichnet Hope Downs das Bild einer Indie-Disco-Eröffnung am Strand – und jeder ist eingeladen: Der geheimnisvolle Typ mit Laptop, der sich jeden Tag zur selben Uhrzeit einen Cappuccino bestellt und an seinem Durchbruch schreibt, lederbejackte Touris vom anderen Ende der Welt, jede Menge anderer Gestalten. Und natürlich Kyle und Cole von nebenan, mit dem abgestandenen shoey im Anschlag. Kopf in den Nacken!

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