Róisín Murphy »Take Her Up To Monto« / Review

Eine Hand voll amtlicher Bassrutschen reicht als Beweis, dass der Unterkörper noch lebt und Murphy es jederzeit mit dem aufgepumpten Jungvolk aufnehmen könnte.

Chapeau, Respekt und all das. Die Frau hat’s geschafft. Mit dem Vorgänger Hairless Toys und nun mit Take Her Up To Monto besitzt Irelands First Lady Róisín Murphy nunmehr die Skills, durch eine besondere Multimembran zu morphen; die flexible, aber dennoch existente Grenze zwischen E und U, Jung und Alt, Digital und Analog, Gefühl und Cool, Tag und Nacht. Wie Björk. Nur weniger ausgeflippt. Wie Lætitia Sadier. Nur kühler und glänzender.

Mit Moloko als Elektro-Prototyp genau richtig gestartet, von Sir Matthew Herbert in die musikalische Selbstständigkeit begleitet, Pop ausprobiert, gelassen, Kinder bekommen, Sport, drogenfrei und jetzt so hörbar entspannt, dass es trotz fehlender Songs mehr Spaß denn je macht. Songs im packenden Sinne des Worts gab es in Wirklichkeit unter Murphys Mitwirkung noch nie, nur Tracks und bezeichnenderweise einen Remix als mit Abstand größtem Hit. Jetzt aber – gemütlicher, audiophiler Spaß. Wobei »gemütlich« nur ausdrücken soll, dass der Konsum am besten in bequemen Sitzmöbeln erfolgt.

Murphy besitzt die Skills, durch eine besondere Multimembran zu morphen.

Take Her Up To Monto ist ein Trip, so abgelutscht, so wahr. Allein Murphys zehn verschiedene Arten zu flüstern: geheimnisvoll-zuckrig, als würde sie Hand in Hand mit ihren zauberhaften Kindern durch einen nächtlichen Pandorawald schweben, innerhalb von einem Atemzug ins hexenhaft-spookige wechselnd, dann wieder kleines Gothic-Mädchen, gefährliche Raubkatze, Schlange und zurück als gute, weise, entrückte Tante. Und das ist längst nicht alles – punktuell wird gefaucht, mit silbrigem Sopran gesungen, und Grace Jones guckt auch um die Ecke. Wow. Avatar, Harry Potter, Alice im Wunderland, verfilmt von Stanley Kubrick, voll mit diesem neuen gesunden Cannabis, das mehr entspannt als törnt. Und Murphy wird gespielt von Nicole Kidman, Sigourney Weaver und Helena Bonham-Carter.

Im Studio, so erzählte sie letztens Zeit Online, ziehe sie die Ideen live aus ihrem Mood-Book (a.k.a. Kladde), voll von disparatem Zeugs. Ein romantisch pluckerndes Tänzchen? 808? Moog? Moroder? Musique concrète? So viele verschwurbelte Wendungen wie Jamie Lidell in seinen besten Zeiten, aber ohne Hektik. Eine Hand voll amtlicher Bassrutschen reicht als Beweis, dass der Unterkörper noch lebt und Murphy es – wenn sie denn wollte – jederzeit mit dem aufgepumpten Jungvolk aufnehmen könnte. Nein, kein Battle, keine Konkurrenz. Reine Late-Night-Extravaganza, poetische High-Fidelity für urbane Genießer. Pflichtprogramm kommender Vernissagen und nachhaltiger Fashion-Events.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here