Rodion „Romantic Jet Dance“ / Review

Die Fußnoten der Geschichte: Ohne sie wäre es dann doch nicht vollständig, das ganz große Bild. Mit vom Schweiß des Eifers glänzender Stirn staubt der junge Herr Rodion aus Rom also seine Synthesizer-Tasten ab und schraubt an wunderlichen elektronischen Geräten herum, bemüht, von fremden Sternen quer durchs Universum gesandte Signale zu empfangen. In den mittlerweile schon recht ordentlich ausgeleuchteten Klangwelten von Cosmic, Italo und sonstigen abgespaceten Disco-Spielarten gilt es nämlich noch Nischen zu erforschen, hier kann sicherlich noch ein Beitrag geleistet werden.

    Ed Cianfanelli – seinen wohlklingenden Künstlernamen hat er sich vom allseits beliebten, mehrdeutigen Helden aus »Schuld und Sühne«, Rodion Raskolnikoff, geliehen – ist nun so gar nicht der Typ, der eben schnell auf den schon ein gutes Stück aus dem Bahnhof gerollten Zug aufspringt, nein, seine alles umarmende Liebe zur Macht der Tanzmusik ist evident: Die Platte selbst, über weite Stecken auf Sounds, Styles und Schemata zurückgreifend, deren Ursprung vor locker mehr als 20 Jahren liegt, ist keine nostalgisch gedachte Retroshow geworden, vielmehr bemüht sich der Künstler mit aller Ernsthaftigkeit – der Mann hat schließlich eine fundierte und langjährige Ausbildung als klassischer Pianist hinter sich – um nicht weniger als ein möglichst geschmacksintensives Destillat und zeitgemäßes Update von Disco.

    Gerne möchte Cianfanelli mit seinem Spaceship im Hier und Heute andocken, und so können neben kosmischen Handelsüblichkeiten wie betont ›sphärischen‹ Synthieflächen, butterweichen Basslines, gelegentlichen Handclaps und BPM-Zahlen, die Gabber-Geeichte wohl mehr als unterfordern dürften, auch stellenweise Anknüpfungspunkte zu Aktuellerem zur Kenntnis genommen werden: Hier verweist die leicht nervige Rappeligkeit auf verspulte Elektronika, da klickerts gerade so als wär der Minimalclub eine Tür weiter. Auch wenn dabei einige richtig gute, fordernde Stücke abfallen, ist »Romantic Jet Dance« so letztlich zu einem etwas beliebigen, freilich recht unterhaltsamen Flickwerk ohne eigenes Muster geraten: Wo die Environ-Schule um Metro Area mithilfe federnder Eleganz zwingend wird und Lindstrøm und Kollegen durch Humor zu bestechen wissen, bleibt Rodion – bislang – scheinbar nur die Option aus möglichst vielen Töpfen zu naschen.

LABEL: Gomma

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 28.09.2007

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