Robert Rauschenberg – Pop Art-Pionier mit goldenen Engels-Puschen

Robert Rauschenberg»Meine Kunst will nicht zeitlos und unvergänglich sein«, sagte er noch im Zeit-Interview Januar 2006. In der Nacht von Pfingstmontag starb der amerikanische Fotograf, Künstler und Pop Art-Pionier Robert Rauschenberg im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Florida. In Form seiner »Combine Paintings« – für die Pop Art wegweisende Arbeiten, in denen er Alltagsgegenstände wie Fahrräder, Glühbirnen und Tapeten neodadaistisch in Collagen-Form verbandt – wird seine Kunst aber sicherlich die Zeit überdauern und die Zukunft prägen.

Rauschenberg – 1925 in Texas als Nachfahre deutscher und indianischer Großeltern geboren – lebte, studierte und arbeitete lange Jahre in New York, in seinen frühen Arbeiten aus den 1948er Jahren bezog er sich stark auf Josef Albers, Joseph Beuys und Willem de Kooning. Mit seinen »White«, »Red« und »Black Paintings« und verschiedenen Radierungen, mit denen er »die Malerei auszulöschen« versuchte, formulierte Rauschenberg Anfang der fünfziger Jahre erstmals eine eigenständige künstlerische Sprache. Mitte der Sechziger öffnete er sich weiter den anderen Kunst-Disziplinen, gemeinsam mit John Cage erarbeitete er Choreografien für Happenings und Theateraufführungen.

Anfang der siebziger Jahre zog er sich auf die Captiva Islands im Südwesten Floridas zurück. Ende der Neunziger Jahre zeigte das New Yorker Guggenheim Museum eine große Rauschenberg-Retrospektive mit mehr als 400 Stücken, seine Spätphase von 1970 bis 1976 wird seit dem 09. Mai im Münchner Haus der Kunst ausgestellt.

Vor sechs Jahren erlag Rauschenberg einem Schlaganfall, seitdem war der Pop Art-Pionier halbseitig gelähmt und arbeitete mit Hilfe seiner Assistenten an neuen Stücken. Auf die Frage, ob er eigentlich Angst vor dem Tod habe, antwortete er im Zeit-Interview nur lapidar: »Meine große Angst ist, etwas zu verpassen. Ich will einfach nicht gehen. Außerdem sind meine Füße wirklich zu hässlich, um diese goldenen Engels-Puschen zu tragen.«

Robert Rauschenberg – Travelling ’70-’76:
09.05. – 14.09. München – Haus der Kunst

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