Review: Robag Wruhme Thora Vukk / Wuppdeckmischmampflow

robag-wruhme    Gabor Schablitzki, der Mann, der sich den knuffigen Künstlernamen Robag Wruhme gegeben hat, ist zurück – und das in der Form seines Lebens. Mit seinem alten Kumpel Sören Bodner bildete der DJ und Produzent aus dem thüringischen Jena das DJ- und Produzententeam Wighnomy Brothers. In der großen Zeit von Minimal waren die beiden ganz obenauf – und das, obwohl sie mit Minimal eigentlich nur  am Rande zu tun hatten. 2004 erschien Robag Wruhmes erstes Album, versehen mit dem schönen Titel Wuzzelbud KK. Auf ihm bewegte sich Wruhme ganz selbstverständlich zwischen Micro House und UK-Breakbeats, Maximal Rave und Minimal, zwischen Jazz und Techno. Doch in den folgenden Jahren kam sich der Mann vor wie eine Maschine, man könnte wohl von Burnout sprechen. Er legte eine Pause ein. Die Wighnomy Brothers wurden Geschichte und Schablitzki bezog einen Bauernhof im Spreewald – zum Kreise seiner Mitbewohner zählt nun ein Schwein.

robag-wruhme-wuppdeck    Im Januar dieses Jahres erschien nun  Wruhmes Mix-CD Wuppdeckmischmampflow. Es ist der vielleicht beste DJ-Mix, den man derzeit bekommen kann. Im Mittelpunkt steht nicht die Momentaufnahme dessen, was gerade  en vogue ist. Es geht um Lieblingsplatten. Stücke wie Dexter von Ricardo Villalobos, Odyssee von Guillaume & The Coutu Dumonts oder Rusty Nails von Moderat sind für sich betrachtet sicherlich keine originelle Auswahl. Doch Wruhme lässt die einzelnen Tracks auch nicht für sich alleine stehen. Er mixt mal zwei, mal drei Stücke ineinander, lässt sie nebeneinander- und übereinanderlaufen. Eine Nummer taucht auf und wieder ab, um sich nach knapp zehn Minuten wieder herauszuschälen. Und dann kommt noch eine Geheimwaffe zum Einsatz – das Smapelschatull. Wohl kaum als tatsächliche Maschine zu denken, sondern als idiosynkratische Edit-Technik, triggert Robag Wruhme mit ihr Effekte, loopt Teile der Tracks, arrangiert sie neu. Schlicht grandios ist die Smapelschatull-Version von Four Tets Angel Echoes, wunder schön der Ausklang des Mixes, das fantastische Sweater Day vom sträflich unterschätzten Hamburger Pop-Barden Zwanie Jonson.

    Allerdings ist Wuppdeckmischmampflow nur die Ouvertüre zu Gabor Schablitzkis ganz und gar erstaunlichem neuen Studioalbum Thora Vukk, eine Platte der leisen Töne, der Zwischenräume und Leerstellen. Wupp Dek, das erste Stück, gibt die Richtung vor – ein manipuliertes Stimmen-Sample, das »like it, like it, like it« sagt, ein synkopierter Beat, hier und da ein Klaviersprengsel und der Hauch einer gestopften Trompete. Neben verhaltenen Klavierakkorden setzen Glockenspielsounds und Streicherarrangements den meist melancholischen Kontrapunkt zu den stets quirligen Rhythmustracks. Immer wieder wird die Harmonie gestört, immer wieder tauchen Widerhaken auf, ganz unvermittelt. Nicht zu überhöhren ist, dass Schablitzki ein Faible für Umgebungsgeräusche hat. An manchen Stellen klingt Thora Vukk nicht nur deshalb wie das Album, das man sich von Matthew Herbert seit mehr als zehn Jahren vergeblich erhofft. Diese sieben langen Stücke und fünf Interludes mögen in ihrer Erscheinung dezent sein, die von ihnen ausgehende Sogwirkung ist gewaltig. Im eigentlich längst sorgfältig vermessenen Land zwischen Electronica, House und Techno erschließt Thora Vukk tatsächlich neue Räume.

ROBAG WRUHMEThora Vukk | LABEL: Pampa | VERTRIEB: RTD | : 29.04.2011
ROBAG WRUHMEWuppdeckmischmampflow | LABEL: Kompakt | VERTRIEB: Kompakt | : 14.01.2011


STREAM: ROBAG WRUHME – Tulpa Ovi

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