Tschö, Gitarre: HipHop & R’n’B lösen Rock als populärstes Musikgenre ab

Beinahe 60 Jahre, tausende Subgrenres und zahllose zerschlissene Lederjacken nach James Browns berühmtem Gründungsschrei: HipHop und R’n’B haben Rock als erfolgreichstes Musikgenre überholt – das sagen nun auch die harten Fakten des Branchendienstes Nielsen.

Diese Woche wurde das Line-up des diesjährigen Coachella-Festivals veröffentlicht – und einige gitarrenaffine Blogs schäumten. Das Proto-Riesenfestival war nie wirklich auf Rockmusik fixiert (siehe das erste Line-up von 1999), allerdings wird 2018 das erste Jahr, in dem keine Rockband ganz oben auf den Flyern und Plakaten steht. Stattdessen: The Weeknd, Beyoncé und Eminem. Überraschend ist das nicht, im Gegenteil. Schon seit Jahren bahnt sich an, dass HipHop und R’n’B Rock früher oder später seinen traditionellen  Rang als beliebteste Musikrichtung ablaufen würden. Eine kürzlich vom Marktforschungsgiganten Nielsen veröffentlichte Studie zu Musikvorlieben in den USA untermauert diese Beobachtung: HipHops Überholmanöver sei mittlerweile abgeschlossen, berichtet etwa der britische Guardian.

Die Studie besagt, dass sich acht der zehn erfolgreichsten Alben 2017 HipHop oder eben dem schwammigen Genrebegriff R’n’B zuordnen haben zuordnen lassen, was laut Nielsen stark mit einem 72-prozentigen Zuwuchs der digitalen Streams dieser Genres zusammenhänge. Insgesamt sei um 52% mehr gestreamt worden, als im Vorjahr. Ein Beispiel für den Einfluss von Streams sei allen voran Drake, den der jährliche Nielsen report zum statistisch erfolgreichsten Künstler des Jahres 2017 kürte, obwohl beispielsweise Ed Sheeran knapp das doppelte, Taylor Swift sogar mehr als das dreifache an Alben verkaufte. Ein weiteres Beispiel für die neuen Verhältnisse: Lil‘ Uzi Vert, dessen Album Luv Is Rage 2 nur knapp 85.000 Mal über die Ladentheke ging, dessen zweieinhalb Milliarden (!) On-Demand-Streams ihn aber in die Top 10 der erfolgreichsten Künstler katapultierte.

Doch auch abseits von Verkäufen, Zahlen und Streams ist der wachsende Einfluss von HipHop offensichtlich. Bei den 60. Grammy Awards in diesem Jahr sind zum Beispiel neben Lorde vier HipHop- und R’n’B-Veröffentlichungen für den Titel des Albums des Jahres nominiert, beim Song des Jahres sieht es ähnlich aus. Es scheint also, als würde beinahe 60 Jahre nach James Browns berühmtem Gründungsschrei und 50 Jahre nach dem Beginn des kommerziellen Siegeszugs von Gitarre, Bass und Schlagzeug die sinnbildliche Fackel auch finanziell weitergegeben.

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