Riverbanks – Filmfeature zum Kinostart

Eine differenzierte Darstellung der im Kontext der sogenannten Flüchtlingskrise pauschal dämonisierten Fluchthelfer ist zweifellos eine hehre Aufgabe, der Panos Karkanevatos nur zum Teil gerecht wird – Riverbanks läuft ab morgen im Kino.

Grenzland jeglicher Art hat im Film schon lange einen speziellen Platz als Konflikt- und Handlungsraum. Schließlich verfügt das Kino wie vielleicht kein anderes Medium über die Möglichkeit, sichtbar zu machen, was an Grenzen faszinierend und abstoßend zugleich ist: der Versuch, Bewegung zu reglementieren, zu choreografieren. Angesichts der aktuellen politischen Umstände rücken Grenzfilme wieder verstärkt in den Fokus, einer von ihnen ist Riverbanks, der einen multiperspektivischen Blick auf den griechisch-türkischen Grenzfluss Evros wirft.

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Panos Karkanevatos’ Film folgt dem Soldaten Yannis, der sich freiwillig zur Minenräumung gemeldet hat. Vermint ist das Gebiet seit dem Zypernkonflikt 1974, heute sind die verbliebenen Minen eine tödliche Gefahr für die zahlreichen Flüchtlinge, die den Evros täglich überqueren. Yannis, ein stiller junger Mann, hat ein unerklärliches Talent für die gefährliche Arbeit, es ermöglicht ihm, die verborgenen Sprengfallen intuitiv aufzuspüren. Als er immer wieder mit dem Tod von Flüchtlingskindern im Sperrgebiet konfrontiert wird, beschließt er, aktiv zu helfen. Zufällig lernt er dabei eine Schlepperin kennen und verliebt sich.

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Eine differenzierte Darstellung der im Kontext der sogenannten Flüchtlingskrise pauschal dämonisierten Fluchthelfer ist zweifellos eine hehre Aufgabe. Dieser wird Karkanevatos allerdings nur zum Teil gerecht: Sein Film kommt nicht ohne düstere (türkische) Hintermänner aus, die Flüchtlingskinder als Drogenkuriere missbrauchen. Das ist nur eines der Symptome des überambitionierten Plot-Ansatzes. Auch die Parallelgeschichte eines kurdischen Jungen, dem die gefährliche Überfahrt gelingt, bleibt blass und wirft die Frage auf, warum dieser Erzählstrang nicht im Mittelpunkt steht. Immerhin endet der Film mit einer Widmung an die unzähligen jungen Heimatlosen auf den Straßen und Gewässern der Welt. Seinen guten Absichten und poetischen Bildern zum Trotz, verirrt sich Riverbanks aber in den Komplexitäten seines Grenzland-Panoptikums.

Riverbanks
GR, D, F, TR 2015
Regie: Panos Karkanevatos
Mit Diamantis Adamantidis, Efi Drosou u. a.

Dieser Text ist wie viele weitere Filmfeatures in der Printausgabe SPEX N° 365 erschienen. Zum Magazin geht es versandkostenfrei hier.

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