Geheime Machenschaften? Rimini Protokolls „Staat 1-4“ im HKW Berlin

Foto: Staat 2

Das Autoren-Regie-Kollektiv Rimini Protokoll hinterfragt in vier Inszenierungen im März in Berlin Geheimdienste, Korruption, Wahlen und Eliten.  Jenseits von einfachen Lösungen und Aluhüten stellen die Tetralogie Staat 1-4 die Frage: Was passiert in den Grauzonen, über die der Staat keine Kontrolle hat – oder haben will?

Spätestens seit die Rechten wieder laut ihre Parolen krakelen und im Bundestag Gremien leiten dürfen, gibt es in der deutschen Linken eine gesunde Skepsis gegenüber sogenannten Verschwörungstheorien, die für die gesellschaftliche Lage die Böswilligkeit einer kleine Gruppe an Akteuren verantwortlich machen – Stichwort strukturaler Antisemitismus. Das ist wichtig, doch es macht es schwer über die tatsächlichen, undurchsichtigen und internationalen Verstrickungen zwischen wohlhabenden Eliten, Politik, zwielichtigen Institutionen und Geheimdiensten zu sprechen, die Journalisten und Whistleblower regelmäßig an die Öffentlichkeit heben. Der Grad zwischen dieser notwendigen Diskussion und dem Aluhut ist schmal. Im Haus der Kulturen der Welt in Berlin möchte das Autoren-Regie-Kollektiv Rimini Protokoll mit vier Inszenierungen im März trotzdem darauf wandeln.

In der Tetralogie Staat 1-4 widmet sich jeder Teil einem anderen Prozess: Nummer eins trägt den Titel Top Secret International. Beim interaktiven Museumsbesuch im Neuen Museum soll es um das internationale Netz an Geheimdiensten gehen und die Frage, wen diese eigentlich vor was schützen. Teil zwei wird als „theatralischer Baustellenrundgang“ beworben, der Besuchern aus acht Perspektiven einen Einblick in das Geschäftmodell Großbaustelle geben soll. Dabei geht es auch um die Mechanismen hinter der Vergabe von öffentlichen Millionenprojekten an Baufirmen und die Frage, wer davon profitiert.

Im dritten Teil der Reihe wird es abstrakter: Träumende Kollektive. Tastende Schafe ist der Geschichte von demokratischen Wahlen und der Frage nach der Zeitgemäßheit unserer Methoden gewidmet. Die Inszenierung spanne einen „Bogen von Losverfahren in der antiken Demokratie bis hin zu Visionen zukünftiger technologisierter Volksbefragungen“, beschreibt die Pressemitteilung den Ausgangspunkt. Teil vier trägt den Titel Weltzustand Davos – das jährliche Treffen zwischen Politikern und Wirtschaftsmagnaten, auf dessen Fahne die Verbesserung der Welt steht, dient einerseits als realer Katalysator für Networking und Lobbyarbeit auf höchstem Niveau, andererseits als treffende Metapher für die omnipräsente Symbiose zwischen wirtschaftlichen und politischen Eliten. Hierbei geht es natürlich nicht um die guten alten Illuminaten oder die zionistische Weltverschwörung, sondern vielmehr um die Frage: „In wessen Namen wird da gehandelt und wer hat Zugang zu diesen Treffen?“

Top Secret International ist einen großen Teil des März im Neuen Museum in Berlin zu sehen, die anderen drei Teile werden in Intervallen vom 1. bis zum 4. März und vom 8. bis zum 11. im Haus der Kulturen der Welt aufgeführt. Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

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