Richard Swift

Richard Swift - The Atlantic Ocean CoverIndie-Darling Swift tourte mit Cold War Kids, Wilco und Stereolab durch die USA. Bei den lieben Kollegen hat er sich einiges abgeschaut, vor allem, was den Pop-Appeal seines Albums betrifft. »The Atlantic Ocean« kommt so melodietrunken und leichtfüssig daher, dass seine früheren Folk- oder Garagenrock-Ausflüge komplett vergessen scheinen. Der Sänger, Multiinstrumentalist und Fusselbartträger bastelt nun lieber am graziösen Ohrwurm in Beatles-Tradition, mit seufzenden Streichern, himmlischen Harmoniegesängen, cleveren Texten und allem Drum und Dran.

    Die meisten Instrumente wie Gitarre, Bass, ein im Takt hämmerndes Piano, Synthesizer, Mellotron, Schlagzeug, ein quengelndes Spielzeugklavier und das Xylophon bedient er selbst; nur in Sachen Banjo bedarf es einer unterstützenden Hand, der von Casey Foubert, welcher schon Sufjan Stevens unter die Arme griff. Außerdem dürfen in der schmissig vor sich hin schunkelnden »Ballad of Old What’s His Name«, die Retro-Zauberer Mark Ronson produziert hat, Sean Lennon, Pat Sansone von Wilco und Ryan Adams als prominente Gäste mitwirken. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Als Folge dessen sind einige Songs beinahe allzu ausgefeilt, wirken ›raffi-tückisch‹ und glatt.

    Trotzdem hüpft etwa »Hallelujah, Goodnight!« mit seinen quietschfidelen Achtziger-Referenzen munter die Showtreppe runter, sorgt »The First Time« mit Countryrock-Anklängen für ausgelassene Stimmung im Saloon, während der makellose Rausschmeißer »Lady Luck«, den man bereits auf der EP »Ground Trouble Jaw« (2008) hören konnte, mit Falsett-Gesang und rumpelndem Schlagwerk dem Soul der Sechziger charmant den Hof macht. So wird die Fahrt über den atlantischen Ozean der Popmusik, in dessen referenzreichen Untiefen man zwischenzeitlich zu ertrinken droht, zugleich zur Zeitreise mit Abstechern in die unruhigen Gewässer von Motown, wo ausgerechnet Randy Newman, Prince und Paul McCartney dem mal tolldreist enternden, mal spektakulär-kenternden Kapitän Swift kumpelhaft auf die Schulter klopfen. Und vielleicht mag sich Swift bei der Gelegenheit für manch schlauen Raubzug entschuldigen, obwohl der Wiederholungstäter in ihm (in »Bat Coma Motown«) längst böse grinsend auf seine nächste Chance lauert: »If I did you wrong I apologize / But if I had the chance I might do it twice«. Na dann Mast- und Schotbruch!

LABEL: Secretly Canadian | VERTRIEB: Cooperative Music / Universal Music

VIDEO: Richard Swift – Lady Luck

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MP3: Richard Swift – Lady Luck

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