Richard James

Richard James legt eine Platte vor, die nicht größer sein will, als sie ist. »The Seven Sleepers Den« heißt sie, und ein wenig verschlafen ist sie, zugegeben. Verschlafen wie ein kleiner Junge, ein hübsches Mädchen, attraktiv und süß also. Vor allem aber ist »The Seven Sleepers Den« unaufdringlich, daran ändert das offenkundig in einer Kathedrale aufgenommene Intro bzw. Outro nichts.

    Daran ändert auch das einigermaßen üppige Instrumentarium nichts, mit dem Richard James seinen träumerischen Folk aufpeppt – aber nicht überlädt. Unter anderem Glockenspiel, Zither, Steel-Gitarre, Sampler, Akkordeon, dazu Chöre schmücken die Musik an ihren Rändern und in den Winkeln. Doch selbst wenn sich der Waliser, der bis zum vorigen Jahr bei der Liebhaber-Band Gorky´s Zygotic Mynci mitspielte, bei »Wanna See You Die« in die Rockpose schmeißt: der Eindruck, neben den sphärischen Instrumentals gäben auch Songs wie »Tir  Mor«, »My Heart’s On Fire« und »I Wait For Your Love« auf einer Mix-Kassette nicht mehr als Übergangslieder ab, dieser Eindruck verschwindet auch nach wiederholtem Hören nicht. Bescheidenheit ist in diesem Fall eine Zier.

    Denn James’ erstes Solo-Album, in der Wahrnehmung eines Kritikers des britischen Magazins Mojo »von brillantem Schimmer«, gewinnt mit jedem Durchlauf. Das mag daran liegen, dass solche Platten womöglich rar geworden sind. Die nicht lärmen, die nicht ein großer Wurf sein, die einfach schöne Musik transportieren wollen. Hör- und spürbar ist der Wille zur fein gearbeiteten Miniatur. Mit schlafwandlerischer Eleganz spannt James den Bogen, dessen Fülle sich trotz aller Anspielungen auf den Zustand »zwischen dem Schlaf und dem Wach« (Tomte) selbstredend ganz wach, vielleicht in einem Überlandbus, bestens genießen lässt.

LABEL: My Kung Fu

VERTRIEB: RTD

VÖ: 23.11.2007

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