Review zum Kinostart: Exodus – Götter und Könige

Martialische Vision des Alten Testaments: Ridley Scotts Bibel-Epos mit Muckis Exodus startet heute in den Kinos.

»Vom Regisseur von Gladiator« steht oben auf den Plakaten zu Ridley Scotts neuem Bibelfilm Exodus – Götter und Könige, in dem Christian Bale in die Hauptrolle des Moses schlüpft. Gladiator plus Batman also gleich Moses? Klingt merkwürdig, ergibt im Kontext des anderen großen Bibelepos des Jahres, Darren Aronofskys Noah, aber durchaus Sinn: Hollywood besetzt die Helden der Heiligen Schrift nicht mehr mit milden Charakterschauspielern, sondern mit den harten Kerlen des Actionkinos – in Noah übernahm Russell Crowe die Titelrolle –, ein interessanter Versuch, das in den Fünfziger- und Sechzigerjahren florierende, Mitte der Achtziger aber versandete Genre der Bibelverfilmung wieder mit neuem Leben zu füllen.

Was Regisseur Christopher Nolan mit seiner Dark-Knight-Trilogie für das Batman-Image getan hat, soll nun auch für Moses & Co. funktionieren: Der Pomp und Aufwand der alten Filme von Cecil B. DeMille und anderen bleibt, wird aber düsterer, härter und vor allem »realistischer« inszeniert. Dazu kommt eine gewisse postmoderne Ambivalenz im Erzählton, die sich vor allzu deutlichen Gottesdarstellungen drückt und die religiöse Verblendung der Protagonisten zumindest als mögliche Erklärung für Wunder zulässt. Regisseur Ridley Scott hat sich schließlich selbst schon in Interviews dazu hinreißen lassen, Religion als »Hauptquelle des Bösen« in der Welt auszumachen. Umso absurder (oder selbstironischer?) wirkt daher eine Szene, in der ein Berater des Pharaos Ramses (Joel Edgerton) die zehn Plagen krampfhaft mit rationaler Logik zu erklären versucht. Wenig später baumelt er am Galgen.

In Scotts martialischer Vision des Alten Testaments ist Moses ein Elitesoldat, ein ruppiger General, der für Glaube wie Aberglaube zunächst nur ein müdes Lächeln übrig hat. Erst als er gezwungen wird, sich mit seiner israelitischen Abstammung im Exil auseinanderzusetzen, findet er durch mystische Visionen zum Glauben an den einen Gott. Dieser offenbart sich in Exodus – Götter und Könige als kleiner Junge mit krauser Stirn und starkem britischen Akzent – im Gegensatz zu all den handwerklich einwandfreien Effekt- und Massenszenen ein mehr als kruder Aussetzer von Regisseur Scott. Immerhin gelingt es ihm, die inhärente Unheimlichkeit von biblischen Phänomenen wie brennenden Dornbüschen, körperlosen Stimmen und vor allem natürlich den Plagen visuell hervorzuheben.

Vom kindlichen, aber rachsüchtigen Gott auserwählt, macht sich Moses an die militärische Ausbildung der versklavten Israeliten. Dieses in einer langen Montage gewürdigte »Bibel-Bootcamp« erinnert unglücklicherweise an einen anderen Sandalenfilm des Jahres, allerdings einen mit deutlich weniger Anspruch: Hercules 3D mit Dwayne »The Rock« Johnson. Von solchen Trash-Bezügen einmal abgesehen, schwingt in dieser Betonung jüdischer Wehrhaftigkeit in heutigen Zeiten zwangsläufig ein politischer Subtext mit, den der Film aber bewusst vage hält. Das Bibelepos mit Muckis scheint nun jedenfalls fest als Genreform etabliert. Demnächst bitte Daniel Craig als König David!

Exodus – Götter und Könige
USA, UK, ESP 2014
Regie: Ridley Scott
Mit Christian Bale, Joel Edgerton, John Turturro, Sigourney Weaver, Ben Kingsley u. a.

Dieser Text stammt aus der SPEX-Printausgabe N°358, die versandkostenfrei im Online-Shop bestellt werden kann.

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