ZOLA JESUS
VERSIONS
SACRED BONES / CARGO – 23.08.2013

Am Freitag erscheint Zola Jesus’ »Versions«, eine Neuinterpretation ihrer eigenen Stücke gemeinsam mit Foetus-Mastermind J. G. Thirlwell. Wir haben das Album besprochen und bieten einen Vorabstream.

Auf eigene Faust nimmt die sechsjährige Nika Roza Danilova mithilfe von Lernkassetten Gesangsunterricht, besorgt sich Opernpartituren und beginnt, ihre Stimme zu trainieren. Bald folgen erste Auftritte, die aber durch Panikattacken, nicht selten sogar Stimmverlust behindert werden. Der jungen Danilova steht ihr Perfektionismus im Weg. Distanz zum Selbst hilft, die Flucht hinter das enigmatische Pseudonym Zola Jesus ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Ihre Identität aufgeben möchte sie aber nicht: Die meisten ihrer Veröffentlichungen zieren Fotos von ihr, wenn auch bis zur Unkenntlichkeit verpixelt oder als grünstichige Negativaufnahme. Auf dem Cover von Conatus schützt Danilova nur noch ein milchig-weißer Schleier vor den Blicken der Öffentlichkeit, die die von SPEX zum Album des Jahres gekürte LP zu recht feiert.
Das Wechselspiel zwischen Distanz und Intimität ist die Triebfeder von Zola Jesus’ Sound: Dramatischer, mit opernhafter Theatralik vorgetragener Pop wird von satten Beats skelettiert und von kratzig-noisiger Lo-Fi–Patina abgerundet. Wie »tragisch, laut, getrieben und treibend, fordernd, unterwerfend und selbst unterworfen« ihre »kräftige, zitternde, zornige Stimme«, von der Jens Balzer 2011 in SPEX spricht, auch klingt: Innenleben und Außenwelt finden keinen nahtlosen Anschluss. Auf Conatus wirkt die Dialektik immer noch. Bombastische Rhythmen und die mit großen Gesten intonierten Lyrics hin oder her: »Zu den vorgetragenen Schmerzen hält sie stets Distanz«, so Balzer.
Dass Danilova zwischenzeitlich entweder mit sich ins Reine gekommen oder doch ihrem Perfektionismus gerecht geworden ist, beweist sie nun mit Versions. Auf das Angebot des New Yorker Guggenheim-Museums, dort eine Performance abzuhalten, folgten vergleichsweise reduzierte Shows, in deren Zentrum Danilova und nicht zuletzt ihr Gesang standen. Das Arrangement übernahm Foetus-Mastermind J. G. Thirlwell, performt wurden die Songs vom Mivos Quartet.
Die Auftritte liefen gut, es wurde ein Studioalbum daraus. Sechs Songs von Conatus, zwei von der Stridulum-EP und der Song »Sea Talk«, bereits auf Tsar Bomba und Valusia zu hören, treffen auf das bisher unveröffentlichte »Fall Back«. Allein dessen Pathos zeugt zwar von Danilovas neu gefundenem Selbstbewusstsein, gibt Versions aber auch einen Schuss zu viel Melodramatik mit. Besser funktioniert da die entschleunigte Version von »Avalanche« oder »Night«, bei dem das Einsetzen der wuchtigen Bassdrum kathartische Energien freisetzt. Die Songs funktionieren dann am besten, wenn Danilova entweder an ihren Trademark-Sound anknüpft oder gänzlich darauf verzichtet. Versions markiert einen wichtigen Zwischenschritt in Danilovas Entwicklung als Sängerin, zu einem runden Album wollen sich die Aufnahmen aber nicht so recht entfalten.

Alle weiteren relevanten Neuerscheinungen dieser Woche haben wir hier gelistet – außerdem gibt es einen Stream zu King Krule 6 Feet Beneath The Moon und eine Besprechung von Franz Ferdinand Right Thoughts, Right Words, Right Action.

Zola Jesus live
05.10. Berlin – Hau1