Review: Wolves In The Throne Room Two Hunters

Wolves In The Throne Room zählen seit ihrem vor zwei Jahren erschienen Debütalbum »Diadem Of 12 Stars« neben Leviathan und Xasthur zu den populärsten Bands des amerikanischen Black Metals. Ihre Musik wird allerdings nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Genregrenzen wahrgenommen. Im Zuge der Renaissance des Heavy Metals fand sich eine breite Hörerschaft, die das experimentelle Potential besonders in den extremen Spielarten dieser Musik erkannte – so ist heutzutage der Auftritt einer Black Metal Band im Rahmen der Transmediale nichts ungewöhnliches mehr.

    Allerdings stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen experimentellen Gehalt der vier überlangen Kompositionen des aus Olympia, Washington stammenden Trios. Es scheint, als müsse zur generellen Akzeptanz metallischer Klangstürme, mittlerweile alles was auch nur auf oberflächlichster Ebene mit den Termini Doom- oder Black Metal in Verbindung gebracht werden kann, als experimentell eingestuft werden. Wenn überhaupt, dann ließe sich Wolves In The Throne Rooms Musik nur innerhalb der stilistischen Beschränkungen des Black Metals experimentell nennen, da ihr Sound von einem kontemporären Songwriting geprägt ist, das sich gegen jegliche antimodernistische Vereinnahmung zur Wehr setzt. Formauflösende Stilmittel oder abstrakte Klangkonvolute wie sie beispielsweise bei Bands wie Sunn O))), KTL oder Gnaw Their Tongues zu finden sind, sucht man vergebens. Und das Auftreten von Drones im Black Metal war schon immer aufgrund der Produktionsbedingungen dieser Musik eine Selbstverständlichkeit.

    Das erste Stück auf »Two Hunters« fungiert in seiner atmosphärischen Prägnanz als klassisches Intro: eine Feldaufnahme zirpender Grillen weicht sanften Synthesizerflächen, die mit melancholischen Gitarrenmotiven unterlegt sind und von einem trägen Schlagzeugrhythmus zusammengehalten werden. Bei »Behold The Vastness And Sorrow« kommen dann die für den Black Metal typischen, in schneller Geschwindigkeit gespielten Powerchords und klirrenden Akkordfragmentierungen ebenso zum Zuge, wie der bekannte keifende Gesang, der von einem polternden Schlagzeug begleitet wird. In »Cleansing« beruhigt sich das musikalische Unwetter und es kommt zu einer kurzen Koketterie mit dem Post-Rock – ein Phänomen, das seit einiger Zeit in kontemporären Black Metal-Produktionen zu beobachten ist – bevor wieder im gewohnt klassischen Terrain manövriert wird. Die im Zusammenhang mit Eyvind Kang bekannte Vokalistin Jessika Kenney entfaltet ihren ätherischen Gesang in einer Begleitung aus rituell anmutender Rhythmik und weichen Dissonanzen, um die sich Field Recordings eines herannahenden Gewitters legen.

    In diesen Momenten erinnern Wolves In The Throne Room an die norwegische Band In The Woods, die Mitte der 90er Jahre herzzerreißende Epik und melancholisches Pathos zelebrierten. Mit dem nahezu zwanzigminütigen Finale »I Will Lay Down My Bones Among The Rocks And Roots« endet »Two Hunters«. Interessant ist hierbei, wie Wolves In The Throne Room einzelne musikalische Abschnitte miteinander verweben. Nach einem furiosen Auftakt zerfließt das Klangbild in eine sphärische Drone aus einem einzeln gleisenden Akkord, der von elektronischen Flugkörpern umflogen wird. Anschließend kommt das schwarzmagische Getriebe wieder in Gang: Ein tribalistisches Drumming ebnet den Weg zu celestischen Gitarrenarpeggien bevor wieder das einleitende Thema aufgegriffen und von den gehauchten Seufzern Jessika Kenneys ausgeblendet wird. Das Ende wie der Anfang: der Klang unberührter Natur.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 08.02.2008

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