Review: Wildbirds & Peacedrums Heartcore

Musizierendes Ehepaar. In diesem Fall heißt das »The Way Things Go«, und bevor es uns zu Ohren kommt, hat »Pony« schon vorsichtig das Feld bestellt: Jazz, ganz früher R&B, aber auch Gospel prägen diese zuvorderst von Andreas Werliins Drum-Exkursionen und Mariam Wallentins Gesang geprägten Stücke. Diese jazzhistorische Orientierung verliert sich in den kommenden Stücken zu einem Pop-Underground, wie ihn heuer die Fiery Furnaces repräsentieren, eine etwas zähe Art des Ideenreichtums. In seiner Konsistenz so unnachgiebig, da die Gedanken vermeiden, auf den Punkt zu kommen. Im Falle der Wildbirds & Peacedrums bedeutet das ein stetiges Weiter zum nächsten Experiment. In der Folge von Sidsel Endresen, Jeanne Lee oder Colette Magny versucht die Stimme, abstrakte Formen aus den Wörtern zu lösen.

    Dieses Hin und Her zwischen Indiepop und Jazz charakterisiert das Album, ohne eine stilistische Kontingenz erkennen zu lassen. Japanische Kotos, Pauken und Glockenspiele variieren Sounds wie Stile. Wallentin singt mal mit fragiler Stimme, dann wieder mit groovender Kraft. Ab und an wirkt das Resultat statisch, gleich Songfragmenten, die noch auf eine weitere Bearbeitung warten. Wer wollte, könnte sich den Southern Soul von »Doubt Hope« nehmen und das Stück in einen Retrohit für Amy Winehouse umarrangieren. Seine Rauhheit zeichnet »Heartcore« allerdings auch aus. Wie zwei Außerirdische müssen Werliin und Wallentin in die skandinavische Jazzszene eingebrochen sein, in der sonst routinierte Slickness und digitalelektronische Experimente dominieren. Der renommierte Nachwuchspreis »Jazzi Sverige« wurde ihnen im Januar verliehen, der Mut des Duos wird geschätzt, mit der europaweiten Erstveröffentlichung ihres Debüts aus dem Jahr 2006 nun auch hierzulande.

    Anders als die recht verwandten The Creatures präsentieren Wildbirds & Peacedrums weniger sexualisiertes Miteinander als die Vorstellung eines Zusammenseins als Hafen, Schutzraum für Verletzlichkeit. »Oh won’t you take care of me, I’m so heavy«, singt Mariam Wallentin, und es erscheint sowohl als ironische Distanzierung wie fatales Statement jener Privatisierung, die in Beziehungen offenbar unentwegt diskutiert werden muss. So folgen Wildbirds & Peacedrums Lennon & Ono, vor allem aber knüpfen sie als erste Band an »A Sign Of Change« von Lamb an, jenem unerreichten Avantgarde-Folk-Jazz-Meisterwerk des Jahres 1970. Mit so etwas war nicht zu rechnen.

LABEL: Leaf

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 02.05.2008

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