Wilco The AlbumDu hast den Eindruck, dass dies nicht dein Leben ist und dir jemand ein Messer im Rücken herumdreht, dass die Zeiten härter werden und die Straßen, auf denen Du reist, rauer? Sorge dich nicht, Baby, denn Wilco werden dich lieben und dir eine starke Schulter bieten, genauer gesagt: »A sonic shoulder for you to cry on«. So singen Wilco auf ihrem siebten Studioalbum, im Stück »Wilco (The Song)«, und lassen sich dabei antreiben von einem rostigen Gitarrenriff. Musik als lebensrettender Trostspender also, gewitzt und eingängig zugleich; eine ironische Liebeserklärung an die Fans, fernab der früher bisweilen zur Selbstzerfleischung neigenden Lyrics von Sänger und Gitarrist Jeff Tweedy.

    Mit seinem Gesang vermag der immer noch innerhalb von Sekunden große Emotionen zu schüren. Ansonsten hebt sich die Band aber deutlicher von den Klängen des Alternative Country ab, die zuletzt das leichtfüßige Vorgängerwerk »Sky Blue Sky« durchwehten, und distanziert sich gleichzeitig von ihren experimentelleren Ansätzen, die mit »Yankee Hotel Foxtrot« im Jahr 2002 überraschend ihren Lauf nahmen. Mit dem neuen Werk sind Wilco nun irgendwo dazwischen angekommen, was nicht die schlechteste Entwicklung ist, klingt »Wilco (The Album)« mit seinen mühelos austarierten Songs, die gar einmal – im Stück »Deeper Down« – ein Cimbalom erschallen lassen, doch ungemein routiniert in einem positiven Sinne. Die zuweilen pathetischen Gesten des Rock ergeben sich hier wie von selbst, die Steel-Gitarre wimmert leise, das vom warmen Sound der Hammond-Orgel geprägte Liebeslied »You And I« wird mit Gastsängerin Leslie Feist zum betörenden Duett. Und selbst der spröde rockenden Mordphantasie »Bull Black Nova«, mit ihrem Vorwärtsdrang der womöglich besten Komposition dieses Albums, merkt man die Kunstanstrengung nicht an: »This can’t be undone / Can’t be outrun«, heißt es nach der blutigen Tat, einem manischen Rhythmus folgend, der auf einem stakkatohaft hämmernden Klavier basiert.

    So behaupten Wilco mit reicher Instrumentierung, die dennoch nie prunkvoll wirkt, souverän ihren Platz an der Schnittstelle zwischen robustem Rock, Pop mit Beatles-Einschlag, filigranen Folk-Episoden und handzahmen Ausflügen in Richtung Post-Rock: genau das Richtige für verkopfte Rocker mit weichem Kern und einer Tendenz zu Stimmungsschwankungen.

LABEL: Nonesuch Records | VERTRIEB: Warner Music