Review: Ween The Friends

Was von vornherein klar war: Ganz egal was da kommen mag, Ween dürfen das. Wer wie Mickey Melchiondo und Aaron Freeman alias Gene und Dean Ween mit charmantem Freaktum und schonungsloser Popwilderei nahezu alle Genres der Popgeschichte gestreift und damit einen Trademark-Sound definiert hat, der steht souverän über geschmacklichen Fragwürdigkeiten jedweder Art. Insofern darf man wohl über den schockierenden Opener »Friends« der gleichnamigen EP nicht zu hart urteilen. Ween rufen hier den glücklicherweise in Vergessenheit geratenen kommerziellen neunziger Jahre Dancefloor in Erinnerung: eine lausig klingende Melodie, ein sinnfreier Text, dazu prollige Vierviertel-Bassbeats und billige Disco-Syntheziser. Die geschlagenen vier Minuten, die vor zehn Jahren noch als »massentauglich« durchgegangen wären, machen aggressiv. Wüsste man nicht, dass die Brüder hier mit beiden Augen zwinkern, man wäre bereits bei Deans erstem Aufschwingen zum Refrain geneigt, die Platte in den Müll zu werfen. Mitschuld an dieser debilen Autoscooter-Beschallung trägt übrigens Produzent Reinhard Raith alias Voodoo, der schon durch seinen nervtötenden Crazy Frog-Klingelton alle Sympathien verspielt hat. Die folgenden vier Songs sind zwar ebenso weird, jedoch viel gehaltvoller und hörenswerter: »I Got To Put The Hammer Down« ist ein rabiater Smasher mit einem kranken Gitarrensolo, das ebenso gut aus seligen »Chocolate & Cheese«-Tagen stammen könnte. Auf den dubbig hallenden Roots-Reggae-Track »King Billy« folgt mit »Light Me Up« eine von Keyboards befeuerte Tango-Nummer mit Kuhglocken im Beat. Die finale Ballade »Slow Down Boy« offenbart Dean schließlich einmal mehr als hochtönenden Crooner.
   Zwar haben Ween schon bessere Songs geschrieben, trotzdem ist »The Friends EP« ein kurzweiliger Ausblick auf das im Herbst erscheinende Album »La Cucaracha«. Dean Ween bewirbt »The Friends EP« übrigens so: »It is the ultimate party record, filled with good beats and good times. Perfect for your barbecue or doing bong hits or whatever it is that you guys do.« Fürwahr: ausreichend Bier sollte man für diese Platte kalt stellen.

LABEL: Schnitzel

VERTRIEB: RTD

VÖ: 27.07.2007

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