Review: Von Spar Von Spar

Es ist ein interessantes Album geworden. Interessant, aber keinesfalls aufregend. Ein aufregendes Album machten Von Spar vor drei Jahren mit »Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative«. Eines, das Deutschland herausforderte, Postpunk sein sollte, dabei einfach nur Pop war, obendrein als Diskurs-Pop (miss-)verstanden wurde. Heute soll es nur noch der Diskurs sein, eher sogar Streit. Eines von beidem suchen Mahmoud, Janzen, Blume, Tielsch und Marquez mit diesem Album. Sie geben sich verändert und vielschichtiger: Auf Tanzbarkeit ist »Von Spar« nicht mehr ausgerichtet, vielmehr bestimmt Distanz zum Hörer das Album. Der klare Bruch mit ihrer bisherigen Genreverortung ist mutig, denn ähnlichen Erfolg wie 2004 werden sie mit dieser Platte kaum noch einmal haben. Nonkonformismus und Haltung zeichnen daher auch »Xaxapoya« und »Dead Voices In The Temple Of Error«, die beiden einzigen Stücke des Albums, aus: Sie zitieren György Ligetis Lehre der Mikropolyphonie ebenso wie die Flächigkeit von Jim O’Rourkes Abstraktum »Cede«, beziehen sich auf die dunklen Momente der Liars (»Drum’s Not Dead«) ebenso wie auf die ruhigeren von Throbbing Gristle. Vielschichtig sollte es also klingen, aber was gut gemeint war, ist nicht unbedingt gut gemacht: Gegen Ende wirkt das Album mehr verkrampft denn souverän, zerfasert statt konzeptionell geschlossen, und es funktioniert auch nach mehreren Durchläufen nicht als Einheit: »Dead Voices In The Temple Of Error« schließt mit Genre-Hopping von Metal zu Free Jazz. So konsequent Von Spar ihren bisherigen Pfad großen Schrittes verlassen, so schwierig dürfte es für viele sein, der Band auf diesem Weg zu folgen.
»Von Spar« muss als Neuanfang einer intelligenten Band verstanden werden, die nach der Reduzierung auf ein Klischee – das des Agit-Pops – auf der Suche nach einer neuen Identität ist. Um es mit Ligeti zu halten: »Ich bin in einem Gefängnis: die eine Wand ist die Avantgarde, die andere Wand ist die Vergangenheit und ich möchte fl iehen«. Gut, dass wenigstens der Drang nach Bewegung noch da ist.

LABEL: Tomlab

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 04.05.2007

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